Details aus widerrufenem Geständnis 

Hat Stephan Ernst Lübcke-Mord schon länger geplant?

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Haftprüfungstermin im Mordfall Lübcke

Details aus dem widerrufenem Geständnis von Stephan Ernst sind an die Öffentlichkeit gedrungen. Demnach hat er die Tat offenbar schon länger geplant.

Kassel – Stephan Ernst sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Kassel-Wehlheiden in Untersuchungshaft. Er steht unter dem dringenden Tatverdacht, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet zu haben. Ein entsprechendes Geständnis widerrief Ernst in der vergangenen Woche. Und doch sind nun Details aus Ernsts angeblich achtstündiger Aussage an die Öffentlichkeit gedrungen, die Hinweise auf ein Tatmotiv geben könnten. Darüber hat gestern Abend tagesschau.de mit Verweis auf Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung berichtet.

Demnach soll Ernst den Ermittlern erzählt haben, dass er schon in den Jahren 2017 und 2018 zum Wohnhaus Walter Lübckes gefahren sei – bewaffnet. Die Anschrift habe er angeblich über Google gefunden. Ernst soll danach aber froh gewesen sein, den Regierungspräsidenten nicht ermordet zu haben. Dass er Lübcke nun tötete, täte ihm unendlich leid und sei unverzeihlich, heißt es in dem Artikel.

Stephan Ernst wollte normales Leben führen

Der geht auch darauf ein, wie Ernsts Entwicklung in den vergangenen Jahren gewesen sein soll. Auch sie sei Bestandteil der Aussage gewesen, die Ernsts Geständnis zum Inhalt hatte. Demnach soll sich Ernst nach eigenen Angaben schon von der rechtsextremen Szene gelöst haben – mit dem Ziel, ein normales Leben mit Frau und Kindern zu führen.

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Dann allerdings sei er – 2013 oder 2014 – bei seiner Arbeit auf seinen alten Weggefährten Markus H. gestoßen, mit dem er 2009 in Dortmund war, als Rechtsextremisten eine Gewerkschaftsdemonstration attackierten. Markus H. soll Ernst dann nicht nur in den Schützenverein gebracht, sondern 2015 auch auf die Bürgerversammlung in Lohfelden mitgenommen haben. Damals ging es um eine Flüchtlingsunterkunft, und Lübcke sprach zu den Störern im Saal, zu denen auch Ernst gehörte: „Und wer diese Werte nicht vertritt, kann das Land jederzeit verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“

In der Folge soll Ernsts Entschluss, Lübcke zu töten, stets gewachsen sein. Auch die Kölner Silvesternacht 2016 und der Terroranschlag mit einem Lkw in Nizza 2016 sollen dafür ausschlaggebend gewesen sein. Ernst soll die islamistischen Anschläge auf Lübcke projiziert haben.

Markus H. soll Ernst auch den Kontakt zum Waffenverkäufer Elmar J. vermittelt haben, von dem Ernst zwischen 2014 und 2018 fünf Waffen erworben haben soll. Auch H. und J. sind mittlerweile in Untersuchungshaft.

All das soll Ernst während seines Geständnisses gesagt haben – bevor er es später widerrufen hat. Wie der Rechercheverbund aus WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung weiter berichtet, wollte Ernsts Anwalt Frank Hannig die Ermittlungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren.

Von Florian Hagemann

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