In der Markthalle steht ein halbes Dutzend Stände leer

Kassel. Die Lücken im Sortiment sind nicht zu übersehen: An einem halben Dutzend Verkaufsständen in der Kasseler Markthalle sind schon seit Monaten die Auslagetheken verwaist oder die Rollläden heruntergelassen.

„Das ist schon viel“, bestätigt Markthallen-Geschäftsführer Andreas Mannsbarth den Augenschein; „sechs unbesetzte Stände haben wir bisher noch nie gehabt.“

Aus jeweils individuellen Gründen hätten die bisherigen Betreiber aufgegeben. Mannsbarth sagte, er glaube nicht, dass es an der Kundenfrequenz in der nur donnerstags, freitags sowie am Samstag bis 14 Uhr geöffneten Halle gelegen habe: „Unsere Marktbeschicker klagen in der Regel nicht über zu wenige Kunden, sondern darüber, dass unterm Strich immer weniger hängen bleibt.“ Viele hätten mit steigenden Lieferantenkosten zu kämpfen, und wer den Marktstand zusätzlich zu seinem Stammbetrieb führe, habe zuweilen auch ein Personalproblem: „Hier können Sie nicht jeden reinstellen, wenn das Geschäft laufen soll.“

Nachfolgeproblem

Hinzu kommt laut Mannsbarth, dass sich in vielen regionalen Familienbetrieben aus Nahrungsmittelhandwerk und Landwirtschaft keine Nachfolger finden ließen. Da überlege sich mancher zweimal, wie lange er seinen Marktstand noch weiterbetreibe. Gleichwohl sei eine Präsenz in der Markthalle für viele Anbieter attraktiv – für einzelne freie Stände gebe es zum Teil mehrere Interessenten, auch wenn dies nicht immer kurzfristig in einen Vertragsabschluss münde, sagte der Geschäftsführer.

Mannsbarth stellte in Aussicht, dass sich manche der Angebotslücken bald schließen würden: Für einen Bäckereistand im Obergeschoss werde es schon zum 1. November einen Nachfolger geben, für einen Fischstand im unteren Bereich sowie für eine Fläche, wo bislang französische Spezialitäten verkauft wurden, zeichne sich ebenfalls eine Vermietung ab. Zwei größere Eckstände für Fleischprodukte seien allerdings noch ohne Interessenten.

Im Moment mache er sich noch keine Sorgen, was das Sortiment in der Halle angehe, sagte Mannsbarth – „aber was wird in ein paar Jahren sein?“ Gefragt sei ein zukunftsfähiges Konzept, das einem veränderten Kundenverhalten Rechnung trage. So sei zum Beispiel der Fleischkonsum rückläufig.

In den kommenden Jahren müsse sich die Versammlung der Marktbeschicker etwas einfallen lassen und auch über die Öffnungszeiten reden: „Wer früher bis um 11 Uhr nicht beim Bäcker war, bekam keine frischen Brötchen mehr.“ Heute aber könnten die Kunden bis zum späten Abend in Supermärkten mit umfangreichem Frischesortimenten einkaufen.

Entsprechende Änderungen seien jedoch nur behutsam möglich, meint Mannsbarth. Denn Markthändler, die ihre Ware selbst produzieren, hätten sich auf den wöchentlichen Turnus eingestellt, indem sie etwa montags schlachten und dienstags Wurst machen. Eine Überlegung etwa könne sein, die Halle künftig mittwoch- und donnerstagvormittags zu öffnen und auf den umsatzschwachen Donnerstagnachmittag zu verzichten.

Wo auch immer die Reise hingeht: In jedem Fall wird das Marktgeschehen laut Mannsbarth auch künftig von Familienbetrieben aus der Region bestimmt sein. „Denn die machen den Reiz der Markthalle aus.“

Von Axel Schwarz

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