Lutherplatz: Künstler fordert alternative Treff-Angebote für Drogenszene

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Belebter Platz: Karsten Winnemuth - hier mit Marit Schummer vom „Verein Essbare Stadt“ - vor seiner Galerie Tra.Fo im Trafohäuschen (im Hintergrund) auf dem Lutherplatz.

Kassel. „Nein, ratlos bin ich nicht, was den Lutherplatz betrifft“, sagt Karsten Winnemuth. Nur genervt. Er habe durchaus Ideen, wie man der Situation begegnen könne, dass sich hier täglich fünfzig und mehr Menschen aus dem Alkohol- und Drogenmilieu aufhalten.

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„Wir brauchen ein offenes Forum, in dem Positionen und Bedürfnisse aller Beteiligten transparent gemacht werden. Nur so kann gegenseitiges Verständnis hergestellt werden.“ Weil die kleine Parkanlage die vielen Menschen nicht mehr verkrafte, müssten der Szene alternative Orte angeboten werden. Stattdessen würde sie so lange vertrieben, bis nur noch der Lutherplatz übrig bleibt. Winnemuth schlägt als Treff das unweit am Polizeipräsidium gelegene Goldene Loch vor. Wünschenswert wären Streetworker.

Der Künstler und Gärtner Winnemuth hat vor seiner Galerie im Trafohäuschen auf dem Lutherplatz Tisch und Stühle aufgestellt. Wie immer, wenn das Wetter schön ist, arbeitet er hier, empfängt Besucher, steht für Gespräche bereit. „Mein Prinzip ist Offenheit und Beteiligung.“ Deshalb habe er nichts gegen die alkohol- und drogenabhängigen Menschen, die sich an seiner Galerie aufhalten.

Im Gegenteil: Mit dem Angebot von Kunstaktionen und Bildhauer-Workshops hat er in der Vergangenheit versucht, sie anzusprechen, einzubinden und kreativ zu fordern. Sein Ansatz sei integrativ: „Anstatt Ängste zu verstärken und gesellschaftlich abgesonderte Menschen noch mehr abzuspalten, sollten Zuwendung und Konfrontation im besten Sinne gelebt werden.“ Dabei sieht er die Situation durchaus realistisch. Einige hätten mitgemacht, die meisten aber würden sich entziehen.

Auch er bekommt die negativen Seiten des Massenandrangs zu spüren: wenn für sein Kunstpublikum kein Durchkommen mehr ist. „Es sind zu viele geworden.“ Aggressionen, die einige untereinander auslebten, nähmen bedrohliche Züge an. „Ich bin ja ein Anhänger des Beuys’schen Kunstbegriffs der sozialen Plastik“, sagt Winnemuth, aber auf dem Lutherplatz entwickele sich eine „asoziale Plastik, zu der auch Ordnungsamt und Kirche beitragen“.

Während des Gesprächs nähern sich Szenemitglieder, mischen sich höflich ein. „Darf ich mal was sagen?“, fragt Rainer (48). „Ich finde es schlimm, dass man uns über einen Kamm schert.“ Zwar gebe es auch „einige Bekloppte“ auf dem Lutherplatz, aber die meisten seien friedlich. „Wir machen hier sogar sauber“, sagt er und zeigt auf zwei Bekannte, die mit Müllzangen unterwegs sind. Sie wollten sich hier nur aufhalten, aber niemanden stören.

„Einigen liegt der Platz sehr am Herzen“, sagt Winnemuth. Und sie hätten ja auch das Recht, sich irgendwo aufzuhalten. Auf die Frage, was sich die Szene bezüglich der Situation auf dem Lutherplatz wünsche, sagt Rainer: „Wünsche? Nach Wünschen darf man Drogenabhängige nicht fragen.“

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