Für Pflanzaktion erhielt Kirchengemeinde Preis von der Stadt - Jetzt sollen 23 Bäume fallen

Bäume auf Lutherplatz sollen fallen: Naturschützern blutet das Herz

Kahlschlag: 23 Bäume auf Lutherplatz sollen der Axt zum Opfer fallen - darunter viele Bäume, die in den 1980-er-Jahren dort angepflanzt worden waren. Für die Begrünung hatte die Kirchengemeinde sogar den Naturschutzpreis der Stadt erhalten. Archivfoto. Koch

Kassel. Trostlos war noch Anfang der 1980er-Jahre der Anblick des Lutherplatzes. Doch dank der Initiative des Kasselers Peter-Joachim Focke wurden von 1983 bis 1988 Asphaltflächen entsiegelt, Bäume und Sträucher gepflanzt und die Kirchengebäude begrünt.

Eine Jugendgruppe und freiwillige Helfer hatte das frühere Mitglied des Kirchenvorstands der Luthergemeinde dafür gewinnen können. Nun sieht der Biologielehrer einen Teil seines Lebenswerkes in Gefahr: Denn 23 Bäume von insgesamt 116 sollen auf dem Lutherplatz demnächst der Axt zum Opfer fallen.

„Mir blutet das Herz“, sagt der Umwelt- und Naturschützer angesichts dieses Kahlschlags. Dabei sei der Lutherplatz eine wichtige innerstädtische Erholungszone, und die Bäume wirkten als grüne Lunge bis in die Fußgängerzone hinein.

„Grüne Lunge Lutherplatz“ hieß damals die Gruppe um Focke. Das Engagement der Kirchengemeinde war sogar 1989 mit dem Naturschutzpreis der Stadt Kassel geadelt worden. Lobende Worte fand der damalige Bürgermeister und Umweltdezernent Ludolf Wurbs: Die von Focke gestartete Initiative „Grüne Lunge Lutherplatz“ sei ein Vorbild für andere und ein Signal für mehr Grün in der Innenstadt.

Doch von der preisgekrönten Begrünungsaktion ist heute nur noch wenig zu sehen. „Und jetzt sollen von unseren gepflanzten Bäumen auch noch 13 gefällt werden“, sagt Focke. Im Übrigen seien damals alle Maßnahmen mit dem Stadtgartenamt abgestimmt und unterstützt worden. Seine Kritik: „Wenn eine Kirchengemeinde den Naturschutzpreis erhält, dann hat sie eine besondere Verpflichtung“.

Besonders die fünf großen Platanen, die der Axt zum Opfer fallen sollen, liegen Focke am Herzen. „Hier geht es um ausgewachsene und gesunde Bäume.“

„Platz nicht statisch“

Dr. Hans Helmut Horn vom Kirchenvorstand der Gemeinde Kassel-Mitte sowie die Leiterin des Stadtgartenamtes, Regula-Maria Ohlmeier, zeigen sich betroffen. Die Pläne des Gartenamts waren mit der Kirche, die Eigentümerin des Lutherplatzes ist, abgestimmt.

„Wir wollen auf gar keinen Fall den Inhalt des Naturschutzpreises platt machen“, sagen beide übereinstimmend. Aber ein Platz sei nicht statisch und die Preisverleihung inzwischen 21 Jahre her. Die Bestandsaufnahme habe gezeigt, dass es viele wild gewachsene und beschädigte Bäume auf dem Lutherplatz gebe, erläutert Ohlmeier.

Der Kahlschlag sei nötig, um den Lebensraum der vielen alten Bäume zu sichern, die teils 100 bis 150 Jahre alt sind, und um den Parkcharakter wiederherzustellen. Immerhin gebe es unter den 116 Bäumen elf Naturdenkmäler. Zehn Bäume, die der Axt zum Opfer fallen, hätten sich im Übrigen selbst ausgesät.

Die fünf Platanen stünden zu eng beieinander, behinderten sich gegenseitig und müssten deswegen gefällt werden. Erschwerend komme hinzu, dass sie an einem Fußweg stünden und sehr viel Totholz produzierten. Hier sei die Verkehrssicherheit für Fußgänger nicht mehr gewährleistet.

Die Gartenamtsleiterin zeigt aber Herz: Sie will Focke zusamme mit Horn Anfang des Jahres zu einem klärenden Gespräch einladen. So lange, verspricht sie, werde den Platanen kein Härchen gekrümmt.

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