13 Helfer sorgen beim Festival der besten Artisten für einen reibungslosen Ablauf

Sie machen die Manege frei

Raus aus der Manege, rein in die Manege: Bogdan (links) und Madalin tragen nach dem Auftritt der Schleuderbrettakrobaten Ruban deren Sprungturm davon. Direkt daneben wartet die nächste große Installation - das Todesrad des Duos Vanegas. Foto: Schachtschneider

Kassel. Sie sind die Seele des Zirkusfestivals auf dem Friedrichsplatz. Sergej, Nicolai, Adrian, Wendy und ihre Kollegen arbeiten je nach Programmpunkt als Bühnentechniker, Requisiteur oder Assistent der Artisten und sprechen mehrere Sprachen. Zwölf Männer und eine Frau sorgen für den reibungslosen und sicheren Ablauf des Programms.

Unter der schwarz-gelben Kuppel geht es Schlag auf Schlag: Alain Alegria landet nach seinem Balance-Akt am Freistandtrapez aus 14 Metern Höhe wieder auf dem Manegen-Boden, Verbeugung, Licht aus. Licht an. Schon beginnen die vier Russen der Gruppe Stand Flights mit ihrer Kraftakrobatik. Der Letzte des Quartetts hat die Manege noch nicht verlassen, da kommt schon Komiker Justin Case mit seinem Fahrrad hereingefahren. Die Vorbereitung der Netze und Vertikaltücher für die Netzakrobatin Yulia Galenchyk dauert eine Minute, der Aufbau des Vierer-Recks für Alexander Utkin und seine Gruppe ebenso.

Die Ruhe, mit der Sergej und seine Kollegen hinter dem Tor zur Manege arbeiten, steht in Gegensatz zum schnellen Wechsel der Programmpunkte, ist aber verständlich. Denn die Bühnentechniker und Assistenten sind für die Sicherheit verantwortlich, die der Artisten und die des Publikums. Das kann ihnen nur einmal richtig bei der Arbeit zuschauen: Wenn in der Pause das Hochtrapez und die Sicherheitsnetze für die „fliegenden“ Borzovis gespannt und austariert werden. Rund die Hälfte der Vorstellungsbesucher bleibt interessiert auf ihren Plätzen sitzen und verfolgt jedes Handzeichen und jeden Griff. „Wir beschäftigen hier Spezialisten, die wir in vielen Tournee-Jahren mit Flic Flac kennengelernt haben“, sagt Martin Krockauer, Pressesprecher des Artisten-Festivals.

Die Arbeit hinter dem Vorhang ist weniger spektakulär, aber ebenso wichtig. Ist das Schleuderbrett von Anatoly Ruban richtig gesichert? Das Todesrad in seiner Transportverankerung eingerastet? Der gewölbte Spiegel, auf dem Tatjana Kastein gleich ihre Handstand-Äquilibristik zeigt, geputzt? Die Assistenten müssen nicht nur technisch versiert sein, sondern auch Materialschäden selbst reparieren können. Das Festival verfügt über einen eigenen Werkstattwagen, in dem geschraubt, geschweißt und gelötet werden muss.

Eingespieltes Team

Die Stars im Scheinwerferlicht und die Arbeiter hinter den Kulissen müssen ein eingespieltes Team sein. Im Fall von Comedian Justin Case und Assistentin Wendy Vousden sind sie sogar ein Ehepaar. Sekunden nach dem Auftritt der „fliegenden“ Borzovis steht Alejandro am rechten Manegenrand. Das Todesrad, für dessen Aufbau er die Verantwortung trägt, ist zwar erst eine Stunde später dran. Doch jetzt hat er die Gelegenheit, schon Teile der Verankerung nach oben zu ziehen. Damit auch dieser Umbau später nicht länger als 90 Sekunden dauern muss.

Von Wilhelm Ditzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.