Schläge auf Ex-Kollegen

Mit Machete bedroht: Gericht stellt Verfahren gegen Ehepaar ein

Kassel. Dichtung ist das eine, Wahrheit das andere und eine Anklageschrift mitunter noch etwas ganz anderes. Was am Dienstag vor dem Kasseler Amtsgericht verhandelt wurde, klang in der Zusammenfassung der Staatsanwaltschaft geradezu furchterregend.

Mit Fäusten und einer Machete sollte ein Ehepaar aus Bettenhausen einen Mann angegriffen und verletzt haben, grundlos und unvermittelt.

Dabei habe das Opfer nur einen Schlüssel abholen wollen. Wem da nicht gruselt, der muss stählerne Nerven haben. Doch nach gut vierstündiger Verhandlung blieb von der brutalen Macheten-Attacke im Großstadtdschungel so wenig übrig, dass das Verfahren zu Lasten der Staatskasse eingestellt wurde.

Strafe zahlen muss dagegen der vermeintliche Geschädigte: Weil der 37-Jährige nicht als Zeuge erschien, verhängte das Gericht gegen ihn ein Ordnungsgeld von 150 Euro. Dabei hatte es die Auseinandersetzung, von der in der Anklageschrift die Rede war, durchaus gegeben. Sie war nur nicht halb so dramatisch. Und die Hintergründe ließen das Verhalten der Angeklagten verständlich erscheinen.

„Machete“, stellte Richterin Claudia Schiborr fest, „hört sich schlimm an – das war aber ein rostiges Teil.“ Und stumpf. Oder wie es ein 19-jähriger Augenzeuge erklärte: „Das war keine Machete wie im Film.“ Die 41 Jahre alte Angeklagte hatte nach dem Souvenir gegriffen, als eines Morgens im Juli 2011 der 37-Jährige vor ihrem Haus stand und ihren Mann sprechen wollte. Angst habe sie gehabt. Aber sie habe ihren Gatten auch gegen den ungebetenen Besucher – einen ehemaligen Arbeitskollegen, der mit dem 65-Jährigen seit langem im Clinch lag und ihn zuvor mit Drohanrufen regelrecht terrorisiert habe – verteidigen wollen.

„Ich habe versucht, ein bisschen Respekt in seinen Kopf reinzumachen“, sagte sie. Und auch ein paar Mal zugeschlagen, mit der flachen Seite und nicht allzu fest. „In diesem Moment konnte ich nicht denken.“

Der 65-Jährige dagegen will sich auf seinen fast 30 Jahre jüngeren Widersacher nur gestürzt haben, um seine Frau zu schützen. Und auch wenn beide Männer dabei zu Boden gingen, wirkte es für die drei Begleiter des 37-Jährigen – Praktikanten und Auszubildende des Gerüstbaubetriebs, in dem auch der Angeklagte gearbeitet hatte – eher harmlos: „Das war keine Schlägerei, eher eine Rauferei“, formulierte einer, dem der wahre Auslöser des Streits nicht entgangen war.

Um den abzuholenden Schlüssel ging es demnach allenfalls am Rande. „Mir war schon vorher klar, dass das ein Machtspiel zwischen den beiden war – wer steht über wem in der Firma“, sagte der junge Mann.

Und auch die Chefin des Unternehmens stellte dem 37-Jährigen kein schmeichelhaftes Zeugnis aus: „Er konnte tolle Gerüste bauen“, sagte die 68-Jährige. „Aber als Mensch: schwierig, ganz schwierig.“ (jft)

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