Kasseler Speditionskontor Rettberg feiert das Jubiläum seiner Gründung vor 75 Jahren

Bau der A 7 machte mobil

Fuhrpark in Blau-Rot-Weiß: Die Geschäftsführer Manfred Rettberg (links) und Jörg Höfer mit einem Modell-Lkw in den Hausfarben. 35 solcher Lastzüge besitzt das Unternehmen selbst, hinzu kommen 30 bis 40 Fahrzeuge von Subunternehmern. Foto:  Schwarz

Kassel. Ohne Autobahnen ist das Geschäft großer Transportunternehmen kaum denkbar. Beim Kasseler Speditionskontor Rettberg hat man zu dem Verkehrsweg vor der Haustür eine besondere Beziehung, denn Firmengründer Karl Rettberg hat die A 7 vor 75 Jahren mitgebaut. Vom Firmensitz an der Osterholzstraße in Bettenhausen aus rollen heute 35 eigene Lastzüge sowie 30 bis 40 Subunternehmer-Fahrzeuge täglich zu ihren Transportkunden.

Angefangen hatte alles 1936 im Weserdorf Vaake: Mit einem Opel-Blitz-Laster machte sich Rettberg selbstständig und schaffte Material für den Autobahnbau heran. Dann kam der Krieg, und Karl Rettberg wurde eingezogen – samt Lkw.

Als er 1946 aus amerikanischer Gefangenschaft heimkehrte, hatte sein Bruder Hermann den Fuhrbetrieb schon wieder aufgenommen – mit einem Eigenbau-Laster aus Teilen von Henschel, Büssing und des US-Fabrikats GMC als Kriegshinterlassenschaft.

Von Vaake nach Bettenhausen

Mit dem einsetzenden Wirtschaftswunder wuchs das Unternehmen, verlegte seinen Sitz nach Kassel zunächst an die Leipziger, später in einen Neubau an die Sandershäuser Straße. „Rama, Sanella, Palmin ...“, erinnert sich der heutige Chef Manfred Rettberg ans Transportgeschäft der Adenauer-Ära. Als 19-Jähriger war der Neffe des Gründers im Jahr 1961 eingestiegen – zunächst ganz praktisch am Lkw-Steuer. „Wir mussten damals richtig ran“, erzählt Rettberg. 1980 trat er in die Geschäftsführung ein, kurz darauf siedelte sich das Unternehmen an der Osterholzstraße an und wurde in den Folgejahren Stück für Stück erweitert.

Lesestoff für die Region

Heute arbeiten 79 Menschen für die Traditionsfirma, die pro Jahr etwa 10 Millionen Euro umsetzt. Neben bundesweiten Sammelverkehren, Lagerei und Transporten für Industrie- und Gewerbekunden bildet ein umfangreiches Verteilungsgeschäft für Zeitschriften in Nord- und Mittelhessen sowie in Thüringen den Schwerpunkt der täglichen Aktivitäten.

„Alles, was man am Kiosk kaufen kann, hat schon mal unsere Hallen gesehen“, sagt Jörg Höfer, der weitere Geschäftsführer. Jede Nacht werden bei Rettberg 40 bis 60 Tonnen Zeitschriften mehrerer Tausend Titel umgeschlagen und an Grossisten, Lesezirkel und Bahnhofsbuchhandlungen ausgeliefert.

Vor wenigen Tagen hat Manfred Rettberg sein 50-jähriges Arbeitsjubiläum begangen und hat in dieser langen Zeit miterlebt, wie Güter aller Art und Herkunft auf den blau-rot-weißen Rettberg-Lkw ihren Weg zum Empfänger fanden. „Unser Gewerbe ist nicht konstant, da ist immer Bewegung drin“, sagt der 69-Jährige, der noch weitermachen will, „solange ich fit bin“. Wie es aussieht, wird er der letzte Namensträger auf dem Chefsessel des Traditionsunternehmens sein. Sein Bruder Werner, der einige Jahre Mitgeschäftsführer war, ist 2003 gestorben, und jüngere Familienmitglieder haben sich anders orientiert. „Die Nachfolgeregelung ist zurzeit in Arbeit“, sagt Manfred Rettberg.

Von Axel Schwarz

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