Partner von Kommunen und Kreisen

Made in Kassel: Der IT-Dienstleister ekom21 kennt jeden Hessen

Besprechung: ekom21-Direktor Ulrich Künkel (rechts) bespricht mit dem Leiter des Druckzentrums, Heinz Lerche, technische Details. Jährlich werden für alle hessischen Kreise und Kommunen 51 Millionen Seiten bedruckt. Fotos: Schachtschneider

Der IT-Dienstleister ekom21 verwaltet die Daten von sechs Millionen Hessen. Wenn sich jemand an-, ab- oder ummeldet oder ein Auto zulässt, laufen die Daten durch das Rechenzentrum in Kassel

Wenn sich die sechs Millionen Hessen an-, ab- oder ummelden, neue Personalausweise und Reisepässe oder Geburtsurkunden beantragen, Geburten anzeigen oder ein Fahrzeug zulassen, dann hat im Hintergrund der IT-Dienstleister ekom21 seine Finger im Spiel. Dasselbe gilt für Gebühren- und Bußgeldbescheide, Mahnungen, Lohn- und Gehaltsabrechnungen der kommunalen Beschäftigten, Wahlbenachrichtigungen sowie Haushaltspläne und die Finanzbuchhaltung von 500 Kreisen, Städten und Gemeinden sowie deren Betrieben mit insgesamt 29 000 Endanwendern im Land.

Denn der IT-Spezialist ist mit seinen 50 Software-Lösungen der hessenweit zentrale kommunale Dienstleister in Sachen Datenverarbeitung. Außerdem werden sämtliche IT-Verwaltungsvorgänge der Städte Berlin, Hamburg und Wolfsburg sowie einer Reihe von Kommunen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit der Kasseler IT-Infrastruktur verarbeitet. Im streng gesicherten Rechenzentrum in der Knorrstraße laufen alle Informationen zusammen – eine wahre Datenflut. Fällt der Strom aus, springt ein Notstromaggregat an. Und sollte das Rechenzentrum außer Gefecht gesetzt werden, übernimmt ein zweites in Gießen, wo alle Daten und Vorgänge gespeichert sind.

51 Millionen Druckseiten

Und in einem hochmodernen, weitgehend automatisierten Druckzentrum werden alle Bescheide und Haushaltspläne, Wahlbenachrichtigungen und Entgeltabrechnungen gedruckt und versandfertig kuvertiert – 51 Millionen Druckseiten laufen jährlich aus den Anlagen, die die Briefe, Bescheide und Dokumente falten und eintüten.

Die Geschäfte laufen gut, und das Unternehmen wächst. Nach Angaben von ekom21-Direktor Ulrich Künkel verdoppelte sich der Umsatz seit der Fusion des einstigen Kommunalen Gebietsrechenzentrums Kassel (KGRZ) und der Kommunalen Informationsverarbeitung (KIV / siehe Hintergrund) vor zehn Jahren auf fast 114 Mio. Euro im vergangenen Jahr. 2016 hatte er erstmals die 100-Mio.-Euro-Marke geknackt.

Von dem Wachstum profitiert auch die Beschäftigung. In diesem und im nächsten Jahr sollen je 31 neue Stellen geschaffen werden. Gründe für die Expansion sind laut Künkel die Übertragung von immer mehr Aufgaben auf die IT-Profis von ekom21, die fortschreitende Digitalisierung auch in öffentlichen Verwaltungen und die wachsenden Anforderungen an die IT-Sicherheit. Denn ekom21 verwaltet Millionen personenbezogener Daten. „Wir tun sehr viel für die Sicherheit der Daten, damit kein Unbefugter darauf zugreifen kann“, versichert der Direktor.

Falten und kuvertieren in einem Arbeitsgang: Marco Füllgrabe kontrolliert die vollautomatische Anlage.

Ein zentrales Arbeitsgebiet sind auch Produkte rund um die Verwaltung von morgen. eGovernment lautet das Stichwort, also die Abwicklung von Behördenangelegenheiten übers Internet. Hierfür hat sich ekom21 mit seiner Prozessplattform namens Civento die Marktführerschaft gesichert. „Civento versetzt uns in die Lage, sehr schnell zu digitalisieren und zu individualisieren“, so Künkel.

Der Dienstleiter im kommunalen Raum hat zwar keine Gewinnerzielungsabsicht im klassischen Sinn, unterliegt aber doch den Gesetzen des Marktes. Denn eine Zwangsmitgliedschaft gibt es nicht. So konkurriert ekom21 mit anderen großen öffentlichen Wettbewerbern und freien Anbietern. „Wir müssen marktgerechte Preise machen. Das heißt: Wir müssen ständig optimieren und die Effizienz steigern“, erklärt Künkel

Hintergrund

Die Vorstellung des „Großen Hessenplans“, mit dem der frühere Finanzminister Albert Oswald 1970 die flächendeckende Einführung der elektronischen Datenverarbeitung in allen hessischen Kommunen einläutete, war die Geburtsstunde der heutigen ekom21, die den Beinamen KGRZ trägt. Das sperrige Kürzel steht für Kommunales Gebietsrechenzentrum, von denen einst je eines in Frankfurt, Darmstadt, Gießen, Wiesbaden und Kassel aus der Taufe gehoben wurde. 1996 haben sich jene in Frankfurt, Gießen und Darmstadt zur Kommunalen Informationsverarbeitung in Hessen (KIV) zusammengeschlossen, später meldete Wiesbaden Insolvenz an. 2008 fusionierte die KIV mit dem damaligen KGRZ Kassel zur heutigen ekom21, dem einzigen hessischen IT-Dienstleiter im kommunalen Raum, der bundesweit zu den vier Großen seiner Art gehört. Bis heute wird der IT-Spezialist mit seinen drei Standorten Darmstadt, Gießen und Kassel als Körperschaft öffentlichen rechts von den rund 500 hessischen Kommunen und Kreisen sowie vom Land getragen. Von den 470 Mitarbeitern werden 200 in Kassel beschäftigt, wo in der Knorrstraße das landesweite Rechenzentrum angesiedelt ist. Die IT-Lösungen von ekom21 basieren auf Plattformen, die kundenspezifisch angepasst werden. „Wir sind verwaltungsmäßig von der Geburt bis zum Tod eines Bürgers dabei“, erklärt Direktor Künkel. Der Name ekom21 steht für elektronische Kommunikation und für Kommunen sowie für das 21. Jahrhundert. Von 1999 bis 2005 leitete der spätere Oberbürgermeister von Kassel, Bertram Hilgen, das Unternehmen.

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