Fachkräftemangel bremst Wachstum

Kasseler Firma bringt weltweit Großpressen wieder auf Vordermann

Kernkompetenz: die Steuerung für alte und neue Pressen. Unser Foto zeigt FMI-Chef Francisco Iglesias Veiga (links) und Mitarbeiter Mari Müller bei einem Messvorgang. Foto: Schachtschneider

Kassel. Als Francisco Iglesias Veiga vor sieben Jahren die seinerzeit insolvente Firma Schäfer Control übernahm, ahnte er nicht welche Entwicklung das Unternehmen nehmen würde.

Denn seitdem hat der in Kassel aufgewachsene Spanier den als FMI Systems GmbH wiederbelebten Betrieb zu einer international agierenden Gruppe mit 600 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 110 Millionen Euro geformt.

Gut ein Viertel davon steuern die 50 Beschäftigen in Kassel bei, die als weltweites Kompetenz- und Entwicklungszentrum die weltweiten Aktivitäten - wie etwa an den Standorten Mexiko, China, Spanien und Polen - steuern. „Von einem solchen Verlauf hätte ich nie zu träumen gewagt“, blickt Iglesias auf die Entwicklung von FMI zurück.

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Hauptkernkompetenz des Kasseler Unternehmens ist die Modernisierung von Großpressen, wie sie in der Autoindustrie eingesetzt werden. FMI demontiert, repariert, versieht die Jahrzehnte alten Schätzchen mit selbstentwickelter moderner Steuertechnik, montiert die Anlagen wieder und übernimmt auf Wunsch den Service - das Rundum-Sorglos-Paket also. So werden aus alten neue Pressen. Das spart den Betreibern gegenüber dem Neuerwerb nicht nur 70 Prozent der Investitionskosten, sondern auch lange Wartezeiten. Den Grund für den Erfolg der Kasseler Pressenprofis sieht Iglesias nicht nur im weit günstigeren Preis, sondern auch im Komplettservice seines Unternehmens und im speziellen Knowhow, das in der komplexen Steuerung mit einfacher, international verständlicher Bedieneinheit steckt.

Aber längst ist FMI nicht nur Ertüchtiger der in die Jahre gekommenen, gewaltigen Schwergewichte, sondern liefert für neue Pressen des spanischer Herstellers Fagor das „Hirn der Steuerung“ zu und übernimmt die Projektentwicklung, wie der Geschäftsführer erklärt. Daraus erwachsen großen Synergie-Effekte, denn 80 Prozent der standardisierten FMI-Produkte kommen in neuen und alten Anlagen zum Einsatz.

Drittes Standbein des Mittelständlers ist die Herstellung von Schweißkabinen wie etwa für die Sitzgestellfertigung des Audi Q5. Dieser Betrieb befindet sich im ostspanischen Saragossa.

Die Geschäfte laufen gut. „2014 wird das beste Jahr seit Bestehen von FMI“, erklärt der Vater dreier Kinder. Die Auftragslage sei hervorragend, das Wachstumspotenzial groß. „Aber eine Ausweitung des Geschäfts scheitert derzeit am Fachkräftemangel“, sagt Iglesias. FMI arbeite am personellen Limit.

In unserer nächsten Folge stellen wir die seit über 150 Jahren bestehende Firma Graviertechnik Plachy vor.

Hintergrund: Neuartige Technik

Die FMI Systems GmbH setzt immer stärker auf eigene Neuentwicklungen. Nach Angaben von Iglesias haben die Kasseler Pressen-Profis einen neuartigen Antrieb entwickelt, der nicht mit Zahnrädern, sondern mit Servomotoren arbeitet. Vorteile: Der Hub kann ohne aufwändige und zeitraubende Umauten nahezu beliebig verändert werden, und der Verschleiß bei den Zahnrädern entfällt.

Die innovative Technik hat sich FMI patentieren lassen. Der Markteintritt soll im nächsten Jahr erfolgen. (jop)

Von José Pinto

 

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