Brooke-Edwards prüft Flugzeugnieten

Unternehmen aus Kassel sorgt für Sicherheit: Jeden Tag die Welt retten

Familienunternehmen: Ingrid, Sohn Sean (23) und Paul Brooke-Edwards an einer neu entwickelten Röntgenanlage, die Stahl bis zu zehn Zentimeter Stärke durchleuchten kann. Im Bild wird ein Testlauf für einen gebrochenen Fahrradrahmen vorbereitet. Fotos: Malmus

Kassel. Flugzeugnieten müssen halten, die Staplergabel eines Gabelstaplers darf nicht abbrechen, Bauteile im Auto, die etwas mit Sicherheit zu tun haben, dürfen nicht ausfallen - sonst könnten Menschen schwer verletzt oder getötet werden. Damit das nicht passiert, werden Werkstoffe und Bauteile genauestens geprüft.

„Jede Flugzeugniete sogar mehrfach, bevor sie eingebaut wird“, erklärt Ingrid Brooke-Edwards. „Wir wollen täglich die Welt retten.“ Sie steht zusammen mit ihrem Ehemann Paul Brooke-Edwards an der Spitze des eigenen Unternehmens für Werkstoffprüfung. NDT steht dabei für „Nondestructive Testing“, also für zerstörungsfreie Prüfungen.

In den Werkhallen im Dönche-Gewerbepark im Stadtteil Oberzwehren werden vor allem Bauteile aus Metall getestet: Mit Ultraschall, Infrarot oder Röntgenstrahlen, mit Farbpigmenten oder Magnesiumpulver und magnetischen Prüfverfahren. Lieferanten und Hersteller gehen mithilfe der Kasseler Werkstoffprüfer auf Nummer sicher, wollen die Funktion und Qualität ihrer Produkte gewährleisten sowie Ausfälle und teure Nachbesserungen vermeiden.

Derzeit tüftelt der Chef an der Röntgenprüfung für Serienteile. Bisher ist dieses Prüfverfahren sehr teuer, kostet pro Werkstück bis zu 25 Euro. Das Ziel des Ingenieurs: Viele Teile in möglichst kurzer Zeit und mit geringem Aufwand zu untersuchen. „Für Kleinteile sind wir jetzt bei Kosten von zwölf Cent pro Stück und können bis zu 4000 Teile täglich röntgen“, erklärt Paul Brooke-Edwards. „Alles ist auf höchste Wirtschaftlichkeit ausgerichtet.“

Das kleinste Bauteil, das bisher geprüft wurde: Nur acht Millimeter im Durchmesser, aber von großer Bedeutung für die Funktion eines Dieselmotors.

Alle in Kassel entwickelten und genutzten Prüfverfahren können die Mitarbeiter des Unternehmens auch weltweit bei Kunden einsetzen. Zum Beispiel in China, wo das Kasseler Unternehmen im Auftrag von Siemens im Einsatz ist und die Verlegung von gasisolierten Hochspannungsleitungen für Strom im Hinblick auf Werkstoffprüfungen begleitet. Solche Stromleitungen können höhere Leistungen bei geringeren elektromagnetischen Feldern übertragen, sind aber viel teurer als bisher verwendete Stromkabel.

In unserer nächsten Folge geht es um das Therapie- und Schulungszentrum am Goethestern im Vorderen Westen.

Hintergrund:

Nach freiberuflicher Arbeit gründete Paul Brooke-Edwards sein Unternehmen 1996. Von 1997 bis 2005 verantwortete er die Werkstoffprüfung im Mercedes-Benz Achsenwerk Kassel. Bis heute zählt Daimler neben allen anderen namhaften Autoherstellern zu den Kunden. Die 25 Mitarbeiter und Ingenieure sind zum Teil weltweit unterwegs und prüfen Werkstoffe - vor allem Metallbauteile und Werkstücke aus Kunststoff - bei Kunden in China, Japan, Brasilien oder England. Die Kasseler Materialspezialisten sind auch für regionale Firmen wie Vetter Tec, Lamparter, Herkules Presswerk, Sika Mess- und Regeltechnik tätig und haben zum Beispiel auch die Bergshäuser Brücke, die Drahtbrücke über die Fulda oder die stählerne Dachkonstruktion des City-Point am Königsplatz untersucht. Der Chef hat auch schon mal die Schiffsrümpfe der Megayachten von Milliardären unter die Lupe genommen. Zum Firmenumsatz macht die Familie keine Angaben.

Von Jörg Steinbach

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