Er baute 1585 in Kassel die erste Uhr mit einem dritten Zeiger

Schweizer Uhrmacher Jost Bürgi erfand die Sekunde

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Jost Bürgi 1619 in einem Porträt von Aegidius Sadeler. Entnommen aus dem Buch „Stadtgeschichte Kassel“ von Jörg Adrian Huber, erschienen im Imhof Verlag.

Das Thema: Erfolgreiches aus Kassel stellen wir in unserer Serie zum Stadtjubiläum in diesem Jahr vor. Es geht um Erfindungen, Entdeckungen, Forschung und Innovation, aber auch um herausragende Produkte und Dienstleistungen „Made in Kassel“.

Kassel. Im Jahr 1585 baute der Uhrmacher Jost Bürgi in Kassel die erste Uhr mit Sekundenzeiger - zu einer Zeit, in der kaum einer auch nur eine Vorstellung von einer Sekunde hatte. Der aus der Schweiz stammende Erfindern legte damit erstmals die für das technische Weltgeschehen ungeheuer wichtige physikalische Einheit fest: Bürgi erfand sozusagen die Sekunde.

Im 16. Jahrhundert war Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel ein großer Förderer der Astronomie. 1560 ließ er in Kassel die erste feste europäische Sternwarte der Neuzeit bauen. Und er holte sich erstklassiges Personal dazu. 1579 trat Bürgi seine Anstellung als Hofuhrmacher und Astronom in Kassel an. Für seine bahnbrechende Sekunden-Uhr hatte Bürgi die Kreuzschlaghemmung und den dreimonatigen Federantrieb mit automatischem Zwischenaufzug erfunden, die Fertigung eines perfekten Räderwerks mit feinstem Zahnschliff kam hinzu. Bürgis Uhr variierte innerhalb von 24 Stunden um höchstens eine Minute.

Die praktischen Fähigkeiten des Uhrmachers waren für seine naturwissenschaftliche Forschung von enormer Bedeutung.

Dank seiner Präzisionsinstrumente konnte Bürgi die Durchgangszeit und Distanz von Fixsternen, Planeten und anderen Himmelskörpern weit genauer bestimmen, als dies zuvor möglich gewesen war. Als wahre Wunderwerke gelten auch Bürgis in Kassel hergestellte mechanische Himmelsgloben.

1604 wechselte Bürgi als Hofuhrmacher zum Hof des deutschen Kaisers Rudolf II. nach Prag. Dort vermaß er zusammen mit Johannes Kepler die Position einer Supernova.

Jost Bürgi machte sich auch als Mathematiker einen Namen. Er schuf Sinus-Tafeln, die Kepler für die Berechnungen rund um seine berühmten Gesetze nutzte.

Hintergrund: Im Dienste des Landgrafen

Der 1552 in der Schweiz geborene Uhrmacher und Erfinder Jost Bürgi trat 1579 in die Dienste Landgraf Wilhelms IV. Zu seinen Aufgaben gehörten die Wartung und Reparatur der Uhren in den Schlössern der Landgrafschaft und die Entwicklung neuer Messinstrumente. Die Feinmechanik stand in engem Zusammenhang mit der ebenfalls hoch angesiedelten Astronomie, die damals noch eng mit der Astrologie verknüpft war. Bürgi blieb 25 Jahre in Kassel, folgte aber 1604 dem Ruf Kaiser Rudolfs II. nach Prag. Kurz vor seinem Tod zog es Jost Bürgi wieder nach Kassel zurück, wo er 1632 starb. Im Astronomisch-Physikalischen Kabinett in der Orangerie wird sein Name in besonderer Weise in Ehren gehalten. Dort steht unter anderem die von ihm gebaute erste Äquationsuhr der Welt, die die wahre und die mittlere Sonnenzeit sowie den Wochentag, die Mondphasen und die Mondbewegung nach Kopernikus anzeigt.

Von Jörg Steinbach

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