Übergangssysteme in Zügen

Kasseler Hübner-Gruppe produziert Bahntechnik für die Welt

Handarbeit: Aus einzelnen Bahnen einer sehr robusten Textilie näht Peter Daniel an einer Industrienähmaschine die einzelnen Lamellen für einen Faltenbalg zusammen. Die Arbeit ist sehr anstrengend, weil das Gewebe so schwer ist. Fotos: Fischer

Kassel. Zug-Übergangssysteme der Kasseler Hübner-Gruppe sind echte Schwerstarbeiter. Nicht selten halten die Qualitätsprodukte des unangefochtenen Weltmarktführers 30 Jahre und länger. Faltenbälge aus Kassel sind in nahezu allen Ländern der Welt im Einsatz.

Die Faltenbälge aus Metall und gummiertem, sehr widerstandsfähigem Gewebe müssen tropischer Hitze, arktischer Kälte, Regen, Schnee, Eis und Wind standhalten sowie extreme mechanische Belastungen bei Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern ertragen – und das mindestens 15 Jahre lang.  Sie sind so gut verarbeitet, dass nach Jahrzehnten eine Aufarbeitung zu vertretbaren Kosten möglich ist.

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Die Bahntechnik – und dazu gehören auch schnell montierbare Fenstersysteme – ist die Keimzelle des 1946 gegründeten Familienunternehmens, aber längst nicht mehr das einzige Geschäftsfeld der Gruppe. Hochkomplexe Komplettsysteme für Gelenkbusse, Einstiegsrampen und Lifte für Bus und Bahn, Innenausstattungen, feuerfeste Verkleidungen, Faltenvordächer und komplette Kabinen für Fluggastbrücken, Kunststoff- und Gummi-Komponenten sowie Beleuchtungssysteme für Autos, Teile für Medizintechnik-Hersteller, Sicherheitstechnik zur Erkennung von Briefbomben oder Drogenschmuggel sowie Produkte für den Gesundheits- und Wellnessbereich – die Erzeugnisse von Hübner sind so zahlreich wie unterschiedlich.

Helge Förster

Gleich ist nur die hohe Fertigungskompetenz, mit der die Kasseler ihre Arbeit verrichten. Viele Produktionsverfahren und -anlagen sind eigene Entwicklungen. Die Kernkompetenzen werden gehütet wie ein Schatz. 30 Prozent des Umsatzes machen die Kasseler Metall-, Kunststoff- und Gummi-Profis mittlerweile mit Dingen, die nichts mit Bus und Bahn zu tun haben. Und weitere neue Produkte etwa in der Medizintechnik sollen die Abhängigkeit von der Fahrzeugindustrie weiter verringern. „Wir suchen stets nach neuen Geschäftsfeldern, und wenn uns eines vielversprechend erscheint, besetzen wir es“, sagt Geschäftsführer Helge Förster, der mit Gesellschafter Reinhard Hübner und Mitgeschäftsführer Harald Ossendorff die Geschicke der weltweit tätigen Gruppe leitet. Der Erfolg gibt dem Trio recht.

Das Unternehmen wächst stetig und ist mittlerweile mit Niederlassungen in Brasilien, den USA, Ungarn, China, Russland, Schweden, Frankreich, Italien, Indien, Großbritannien, Südafrika und Malaysia präsent. Meist sind es kleine Manufakturen, die ausschließlich für die heimischen Märkte produzieren. Auch am Firmensitz in Kassel überwiegt zumindest in der Bahn- und Bustechnik die Handarbeit. Denn einen Standardfaltenbalg gibt es nicht. Unzählige Größen und Konstruktionen und regionale Besonderheiten erlauben keine nennenswerte Automatisierung. Einzelstücke sind keine Seltenheit und 1000 Exemplare vom selben Typ bereits eine Großserie. In der nächsten Folge geht es um Paul Julius Freiherr von Reuter, den Gründer der Nachrichten-Agentur Reuters.

Von José Pinto

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