Plentymarkets 

Keiner sieht sie, jeder nutzt sie: Kasseler Firma entwickelt Shop-Software

Kassel. Fachhändler und Mittelständler, die ihre Produkte und Dienstleistungen auch online anbieten, kommen nur schwerlich an der Kasseler Plentymarkets GmbH vorbei.

Denn die junge Software-Schmiede aus Nordhessen entwickelt jene Programme, die vom Endverbraucher unerkannt die Bestellung abwickeln. Die Software steuert im Hintergrund den gesamten Prozess von der Bestellung, über Kommissionierung, Versand, Rechnungsstellung und Rückgabe bei Nichtgefallen.

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Das machen andere zwar auch, aber die Stärke von Plentymarkets – frei übersetzt: viele Märkte – ist sein Baukastenprinzip. „Wir haben eine Standardsoftware, die so flexibel ist, dass wir sie individuell für jeden Kunden vergleichsweise schnell anpassen können – ganz gleich, was er verkauft“, erklärt Geschäftsführer und Firmengründer Jan Griesel. 2006 hob der heute 33-jährige Informatiker nach jahrelanger selbstständiger Tätigkeit das Unternehmen aus der Taufe. Er sollte es nicht bereuen.

Heute beschäftigt Griesel mit 100 Mitarbeitern doppelt so viele wie noch vor 18 Monaten, und er sieht den Personalstock in spätestens zwei Jahren bei 150.

Grund für diese Entwicklung: 2013 erhöhte Plentymarkets seinen Umsatz um 40 Prozent auf 6,8 Millionen Euro, und in diesem Jahr soll er noch stärker auf zehn Mio. Euro steigen.

Das rasante Wachstum des Kasseler Software-Spezialisten ist nicht nur dem allgemeinen Trend zum Internethandel geschuldet. Griesel führt seinen Erfolg auch auf das modulare Baukastenprinzip zurück, das die Kosten niedrig halte und Zeit spare, weil nicht alles neu erfunden werden müsse. „Bei der Softwareentwicklung ist es vielfach so, dass die Kosten aus dem Ruder laufen und /oder die Zeitvorgaben nicht eingehalten werden“, weiß Griesel.

Die Perspektiven von Plentymarkets sind hervorragend. Den Grund nennt Griesels Bruder Steffen, der als Mitgeschäftsführer unter anderem für das Personal zuständig ist. „Das Internet-Geschäft – neudeutsch auch e-commerce genannt – macht gerade zehn Prozent des gesamten Handels aus. Da gibt es noch ein riesiges Potenzial“, erklärt der gelernte Theologe.

Und davon wollen sich die rührigen Kasseler ein großes Stück sichern. 3000 Kunden, die 4300 Web-Shops betreiben, setzen mittlerweile auf die Spezial-Software aus Kassel, darunter so bekannte wie der Brillenhändler Mister Spex, das Audi Zentrum Kassel, der Edeka-Online-Händler, der Möbelmarkt Delife sowie das Spezialmode-Label Kingsizequeens.

Die Plentymarkets GmbH stemmt ihr Wachstum bislang aus eigener Kraft, indem die Griesels den Gewinn reinvestieren – insbesondere in gute Mitarbeiter. Das Unternehmen bildet zwar selbst aus, aber Fachleute sind immer willkommen. Derzeit investiert das Software-Haus auch in die gemieteten Firmenräume im Siemens-Gebäude an der Bürgermeister-Brunner-Straße. Auf dem Dach des Hochhauses soll die alte Terrasse mit Herkules-Blick wiederbelebt werden. Griesel: „Wir wollen, dass sich unsere Leute wohlfühlen.“ In unserer nächsten Folge stellen wir den Automatisierungsprofi in der Autoindustrie, die AuE Kassel GmbH, vor.

Von José Pinto

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