Made in Kassel: Seetech stellt Filter für Bergwerke und Industrie her

Erfolgreich mit moderner Filtrationstechnik: Dr. Ingo Seebach (links) und Günther Macholz. Unser Foto zeigt sie an einem Druckbehälter. Innen stecken die runden Filter aus Lohfeldener Produktion. Fotos: Zgoll

kassel / Lohfelden. Die unscheinbaren Produkte der Kasseler Seetech GmbH haben nichts mit Schifffahrt oder anderen maritimen Themen zu tun. Sie arbeiten zumeist im Verborgenen, in Bergwerken tief unter der Erde.

Und dort tragen sie ganz erheblich dazu bei, dass der Laden läuft. Das 2008 von Dr. Ingo Seebach – dem Namensgeber – gegründete mittelständische Unternehmen ist ein führender Hersteller von Filtrationstechnik. In riesigen hydraulischen Anlagen mit kilometerlangen, weitverzweigten Rohr- und Schlauchleitungen halten sie große Mengen Emulsion – mit Öl durchsetztes Wasser – in den geschlossenen Kreisläufen sauber. „Wir sind die Nieren im System“, veranschaulicht der 40-jährige Geschäftsführer die Aufgabe der Filter aus Lohfelden.

Was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit sehr komplex. Denn die Schwerstarbeiter aus Edelstahl müssen nicht nur extrem hohe Drücke von bis zu 420 Bar, also dem 170-Fachen in einem Autoreifen, aushalten, sondern auch Staub, Dreck, Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. Und sie müssen ständig steigenden Sicherheitsstandards genügen – etwa hinsichtlich Funkenbildung und Überhitzung, die verheerende Explosionen unter Tage auslösen können.

Versuchsaufbau: Seetech-Konstrukteur Alois Maier prüft die Funktion von Filtern.

Die Filter aus Nordhessen reduzieren Korrosion und Verschleiß in den Leitungen sowie Verstopfungen der oft sehr kleinen Bohrungen und somit teuren Produktionsstillstand. Sie kommen in Deutschland, in den USA, Polen, Russland, der Ukraine, Australien, der Türkei und China zum Einsatz, wo Seetech Filialen und Niederlassungen unterhält. „Wir sind ganz nah am Kunden dran. In allen wichtigen Bergbauregionen der Welt sind wir präsent“, sagt Seebach, der den Erfolg seines Unternehmens auch auf den Rund-um-die-Uhr-Service zurückführt. Und der funktioniere nur mit Aktivitäten vor Ort.

So arbeiten von den weltweit 53 Beschäftigten nur 14 in Lohfelden. Ein Teil von ihnen entwickelt und konstruiert die Filter, oft gemeinsam mit den Kunden, lässt die Komponenten von Partnern fertigen und montiert und prüft sie schließlich auf Herz und Nieren. Die Abnehmer sind neben Bergbaukonzernen und Anlagenbauern Energieversorger, Ölmultis und Baumaschinenhersteller. Denn die Filter werden auch in Kraftwerken, petrochemischen Anlagen und zunehmend auch in der Medizintechnik sowie in der Nahrungsmittelindustrie – etwa bei der Weinfiltration – eingesetzt.

Die Filterfeinheit, wie der Fachmann sagt, spielt eine große Rolle. In der Regel sind die winzigen Öffnungen, durch die die Flüssigkeiten strömen, 25 Mikrometer groß, was einem Drittel des Umfangs eines menschlichen Haares entspricht. Je nach Einsatzgebiet können sie aber bis zu einem Mikrometer, also einem 75stel des Haarumfangs betragen.

Die Geschäfte laufen gut. Im vergangenen Jahr setzte Seetech 9,6 Millionen Euro um – gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 17 Prozent. Das soll so weitergehen. Denn laut Prokurist Günther Macholz steigt die weltweite Nachfrage. Zum Ertrag macht das Unternehmen keine Angaben.

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