Triebwagen werden repariert, Komponenten aufgearbeitet

Made in Kassel: Das Bahn-Werk arbeitet bundesweit

Arbeitsbesprechung: Norman Giese (links) und Christian Ditzel beraten die nächste Schritte. Fotos: Koch

Kassel. Die Fähigkeiten des Instandhaltungswerks der Deutschen Bahn (DB) in Kassel sind so zahlreich und vielfältig wie die Fahrzeuge und Komponenten, an denen die 870 Beschäftigten täglich arbeiten.

Im bundesweiten Kompetenzzentrum für Reparatur, Revision, Modernisierung und Generalüberholung von Dieseltriebzügen, Komponenten und Unfallfahrzeugen wird geschraubt, gestanzt, gefräst, geschweißt, gedreht, gesägt, gebohrt, genietet, gepolstert, modelliert, geschliffen, laminiert, lackiert und, und, und ... Viel Handarbeit von nahezu ausnahmslos qualifizierten Fachkräften und Technikern.

Stefan Voß

Eine derart große Vielseitigkeit und Fertigungstiefe dürfte in einem Betrieb dieser Größenordnung auch bundesweit selten sein. „Wir können nicht alles, aber ziemlich viel“, sagt Werkleiter Stefan Voß.

Die riesigen Hallen auf dem 168 000 Quadratmeter großen Gelände am Frasenweg unweit der Drei Brücken sind voll. „Wir haben gut zu tun“, sagt der junge Werkleiter, der erst vor eineinhalb Jahren nach Kassel kam. Einige Fahrzeuge kommen nur zur Revision oder Reparatur, andere werden komplett auseinandergenommen und von Grund auf wieder aufgebaut, einschließlich Inneneinrichtung, neuer, selbst gefertigter Karosserieteile aus glasfaserverstärkten Kunststoffen und Lackierung. Am Ende des Wellness-Programms für betagte Züge sehen die 40 Jahre alten Schätzchen innen und außen aus wie neu. Mehrere Hundert Fahrzeuge durchlaufen jährlich das weitläufige Werk. Es ist die mit Abstand größte Reparaturwerkstatt in der Region.

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In der Komponenten-Abteilung arbeiten die Spezialisten anriesigen Montagelinien zum Teil mehrere Tonnen schwere Antriebskomponenten auf: Motoren, Drehgestelle, Getriebe, Radsätze, Gelenkwellen, Kupplungen und eine Vielzahl von kleinen Bauteilen – insgesamt 2100 verschiedene, was die Vielzahl von unterschiedlichen Fahrzeugen der DB widerspiegelt.

Radsätze, so weit das Auge reicht: Deren Aufarbeitung gehört zur Kernkompetenz der Kasseler DB-Werker.

Etwa 95 Prozent des Auftragsvolumens kommen laut Voß von der DB, der Rest von Wettbewerbern, die zunehmend auf die Kompetenz der Kasseler Bahnprofis setzen. Und die rüsten ständig auf. Auf modernen Messständen werden mit Kameratechnik Drehgestelle vermessen und entsprechend gerichtet. In Prüfständen werden aufgearbeitete Getriebe mithilfe von Hochleistungelektronik auf Herz und Nieren getestet, und mit einem Spezialfahrzeug bietet der Standort als Einziger eine mobile Werkstatt für Laminier- und Klebe-Arbeiten beim Kunden an, damit dieser den Wagen nicht nach Kassel bringen muss.

Das DB-Werk Kassel ist eines von bundesweit 13. Es ist eines der größten und modernsten seiner Art.

In unserer nächsten Folge stellen wir die Henschel GmbH vor. Der mittelständische Spezialist für Bahn- und Straßenbahn-, Extruder- sowie Sondergetriebe hat sämtliche Rechte am Namen und Logo des 1810 gegründeten Unternehmens erworben.

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