Forschungszentrum soll einen weiteren Schub bringen

Traditionsunternehmen Bode ist Spezialist für Bahn- und Bustüren

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Fertig zum Versand: Türantriebe für einen Hochgeschwindigkeitszug. Unser Foto zeigt José Pomares bei seiner Arbeit.

Kassel. Erfolgreiches aus Kassel stellen wir in unserer Serie zum 1100-jährigen Bestehen der Stadt vor.

Es geht dabei um Erfindungen, Entdeckungen, Forschung und Innovationen, aber auch um herausragende Produkte und Dienstleistungen „Made in Kassel“.

Die Bahn- und Bustüren der Firma Bode in Kassel sind hart im Nehmen. Sie müssen idealerweise immer funktionieren: bei Hitze, Kälte Frost und Regen. Sie müssen ständig Erschütterungen, bei Hochgeschwindigkeit große Kräfte und im Personennahverkehr extrem starke Beanspruchung ertragen. Und das gilt nicht nur für die Türblätter, sondern vor allem auch für den meist über dem Eingang verborgenen, komplexen Antrieb mit Mechanik, Pneumatik, Elektrik und Elektronik.

Im ausgeklügelten, kompakten Bewegungsmechanismus steckt das eigentliche Wissen Bodes. Der Spezialist für Bahn-, Bus- und Transporter-Schiebetüren ist zwar nicht der größte Anbieter, aber der weltweite Technologieführer, wie der Sprecher der Geschäftsführung, Dr. Ernst Raphael, selbstbewusst erklärt. Der unternehmerische Erfolg der Bode-Gruppe mit 630 Beschäftigten in Kassel sowie weiteren gut 700 an den Auslandsstandorten in Polen, der Türkei, Großbritannien, China, Korea und den USA gibt ihm Recht. Seit Jahren wächst der Türprofi stärker als der Markt. Das heißt: Er nimmt den beiden Mitbewerbern IFE (Österreich) und Faiviley (Frankreich) Aufträge ab.

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Damit das so bleibt, investiert Bode kräftig in Innovation. Derzeit entsteht für drei Mio. Euro ein großes Forschungs- und Entwicklungszentrum in Kassel. 30 neue Jobs sollen in naher Zukunft geschaffen werden. Wie sehr auch die Beschäftigung von der anhaltend guten Auftragslage profitiert, zeigt die Entwicklung der Mitarbeiterzahl: Als Raphael 2009 zu Bode kam, waren es 450 Beschäftigte in Kassel. Heute sind es 180 mehr. Raphael hat die Fertigung komplett umgekrempelt und modernisiert und so die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gesichert.

Der Geschäftsführer gerät ins Schwärmen, wenn er über den Einzug der Informationstechnologie in Bus- und Bahntüren spricht. Künftig sollen sie so ausgestattet werden, dass sie im Falle eines Defekts oder noch besser kurz vorher melden, dass etwas nicht stimmt. „Auch da wollen wir die Ersten sein“, untermauert Raphael den technologischen Führungsanspruch Bodes. Im Busbereich sind die Kasseler unangefochten Marktführer in Europa, in der Bahnsparte gehören sie zu den großen drei. Türen aus Nordhessen sind in allen Schienenfahrzeugen – von der Straßenbahn bis zum Hochgeschwindigkeitszug – zu finden. Derzeit ist Bode dabei, sein Geschäft weiter zu internationalisieren. Vor allem in Übersee sollen neue Kunden gewonnen werden. Gleichzeitig soll die starke Position im Kernmarkt Europa weiter ausgebaut werden.

Die Bahnsparte ist mit 60 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Bereich, gefolgt vom Busbereich mit 30 und dem Schiebetüren-Geschäft mit zehn Prozent. Hauptabnehmer der letztgenannten Sparte ist VW. Die T5-Transporter und Caddys haben Schiebetüren aus Kassel.

In der nächsten Folge geht es um das Unternehmen Technoform Kunststoffprofile, eine Denkfabrik mit Produktion.

Hintergrund: Lange Bahntechnik-Tradition

Die Gebrüder Bode GmbH & Co KG gibt es ihn ihrer heutigen Form seit 1968. Damals wurde sie aus der Wegmann-Gruppe, dem heutigen Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann, ausgegliedert. Gesellschaftsrechtliche Verflechtungen zwischen den beiden Unternehmen gibt es aber keine. Nur der Name Bode erinnert an den Ursprung des Bahn- und Bustürenbauers. Er steht für die Kasseler Industriellenfamilie, die ihr Geld lange Zeit mit dem Waggonbau verdiente. Insofern hat Bode seine Wurzeln im Jahr 1882, als die „Casseler Waggonfabriken von Wegmann, Harkort & Co.“ gegründet wurden. 1995 übernahm die Münchner Schaltbau AG das Unternehmen.

Im vergangenen Jahr steigerte Schaltbau den Umsatz um fast acht Prozent auf 391,5 Mio. Euro, etwa ein Drittel stammt aus dem Werk Kassel. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Der Schaltbau-Konzern beschäftigt gut 2000 Mitarbeiter. Die anderen Schaltbau-Gesellschaften stellen ebenfalls Bahntechnik her. Großaktionäre sind die Familien von Vorstandssprecher Jürgen Cammann (11,24 Prozent) und Aufsichtsratsvorsitzendem Hans-Jakob Zimmermann (10,12) sowie ein niederländischer Investor (5,24). 73,4 Prozent der Aktien sind im Streubesitz. (jop)

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