Made in Kassel: Familienunternehmen Jordan verkauft Fußböden und Holz

Ein Bild aus früheren Zeiten: Es entstand 1920 und zeigt einen Holztransport Zu jener Zeit war Jordan ein reiner Holzhändler. Heute trägt der Bereich nur noch 18 Prozent zum Jahresumsatz bei. Fotos: Jordan/Fischer

Kassel. Wer durch das Zentrallager des Fußboden- und Holzgroßhändlers Jordan gelaufen ist, ahnt die Dimensionen. In unserer Serie "Made in Kassel" ein Blick auf das Familienunternehmen.

Eine derart große Vielfalt an Parkett, Laminat, Dielen, Fußbodenbelägen und Heimtextilien dürfte europaweit einmalig sein. 150 000 verschiedene Artikel sind gelistet - für Durchblick kann da nur eine ausgeklügelte Software sorgen.

Jordan hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten der Branche in Europa gemausert, und der geschäftsführende Gesellschafter des Traditionsunternehmens, Jörg Ludwig Jordan, lässt keinen Zweifel daran, dass das moderate aber verlässliche Wachstum der vergangenen Jahre weitergehen wird. „Wir bleiben auf Kurs. Wo wir Potenzial sehen, eröffnen wir weitere Filialen oder kaufen Wettbewerber auf“, sagt der 54-Jährige, der das Geschäft seit dem Tot seines Vaters vor einem Jahr allein führt.

So hat Jordan 2014 einen Holzhändler im Südschwarzwald übernommen sowie eine Reihe von Ausstellungsräumen an verschiedenen Standorten erneuert. In diesem Jahr werden neue Niederlassungen in Bielefeld, Freiburg und Graz gebaut, Hamburg bekommt eine zweite Filiale. Der Umsatz, der seit Jahren stärker wächst als die Branche, soll auch 2015 wieder zulegen - um 3,7 Prozent auf 336 Millionen Euro. Der anhaltende Erfolg ist nicht nur der Liefertreue, dem Service und der Qualität der Jordan-Produkte geschuldet, die unter dem Markennamen Joka vertrieben werden. Die gut 20 000 Kunden in Deutschland und im benachbarten Ausland - Schreiner, Parkettleger, Raumausstatter, Maler, Zimmerer und Ladenbauer - schätzen vor allem auch die fachliche Beratung und regelmäßigen Schulungen des Kasseler Familienunternehmens in eigenen Räumen.

Geschäftsführer Jörg Ludwig Jordan vor dem Plakat mit der Hauptwerbe-Ikone Magdalena Neuner

150 Lkw verteilen die Ware bundesweit und in Österreich. Für die Außendienstler stehen 250 Firmenwagen bereit. Kunden in Frankreich, Italien, Tschechien, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz bedienen die Kasseler jeweils mit Partnerunternehmen vor Ort. Mit dem Umsatz wächst auch die Belegschaft: Im vergangenen Jahr entstanden 51 neue Stellen, in den ersten drei Monaten dieses Jahres steig die Zahl der Mitarbeiter bereits um zwölf auf 1114, davon etwa 200 in Kassel sowie gut 20 in Cölbe bei Marburg. Zurzeit bildet Jordan 80 jungeMenschen aus. Mittelfrsitig sollen es mehr als 100 werden.

Die Ware kauft Jordan weltweit ein. Das Material kommt aus Belgien, den Niederlanden, Österreich, Skandinavien, Osteuropa und Asien.

Am 24. April richtet Jordan

die vierte Benefiz-Veranstaltung „Handwerk trifft Sport“, zu der neben hunderte von Gästen auch bekannte deutsche Wintersportler, Ex-Fußballstars und Biathlon-Olympia-Siegerin und Weltmeisterin Magdalena Neuner erwartet werden. Im vergangenen Jahr kamen 60 000 Euro für den Kinderschutzbund und eine Nachsorge-Einrichtung für schwerkranke Kinder auf Sylt zusammen.

Hintergrund: Familienbetrieb Jordan

Ludwig Jordan, der Großvater des heutigen geschäftsführenden Gesellschafters, legte 1919 den Grundstein für die spätere Holzgroßhandlung W.&L. Jordan GmbH. Somit feiert das in dritter Generation familiengeführte Unternehmen in vier Jahren ein rundes Jubiläum.

1943 wurde der Betrieb im Bombenhagel des 2. Weltkriegs komplett zerstört. Zwei Jahre begann der Gründer gemeinsam mit dessen Bruder und Sohn Horst-Dieter, der vor einem Jahr im Alter von 85 verstarb, mit dem Wiederaufbau des Betriebs. In den 50er-Jahren nahm der damalige Junior Fußböden als neues Geschäftsfeld ins Programm. 1968 entstand das heutige Zentrallager im Glockenbruchweg, das seither drei Mal erweitert wurde. 1986 trat mit Sohn Jörg Ludwig (54) die dritte Generation in das Unternehmen ein.

In den folgenden 28 Jahren entwickelten Vater und Sohn das bis dahin regional agierende Großhandelsgeschäft mit damals 74 Mitarbeitern an drei Standorten und umgerechnet 14 Millionen Euro Umsatz zu seiner heutigen Größe mit 1114 Beschäftigten an 58 Standorten und einem Jahresumsatz von 324 Mio. Euro aus - Tendenz weiter steigend.

Alle Teile von "Made in Kassel" als Dossier.

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