Endmontage auf altem Flughafen in Calden

Made in Kassel: Schallkanone wehrt Angreifer ab

Lothar Hügin und seine Schallkanone: Sie ähnelt einem Lampenschirm. Hinter ihr verbirgt sich eine komplexe Technik mit einem Super-Kompressor, der sekündlich 300 Liter Luft durchs Herbertzhorn bläst. Foto: Koch

Das metallene, 18 Kilogramm schwere Wunderding aus Kassel ist auf den ersten Blick völlig unscheinbar: Es ähnelt einem großen Kolben, bierdeckel-breit, etwa 20 Zentimeter hoch.

Aber es ist das Herzstück des sogenannten Herbertzhorns – stark vereinfacht eine megastarke Trillerpfeife, die mutmaßlich lauteste weltweit. Entwickelt haben sie die Kasseler Hügin Group International (HGI) und der 2008 verstorbene Akustik- und Ultraschall-Guru Professor Dr. Joachim Herbertz, der dem Krachmacher aus Nordhessen seinen Namen gab.

So sieht es aus: Das Herbertzhorn aus Kassel.

Die weltweit einzigartige Schallkanone, deren extrem starker Kompressor mithilfe einer komplexen Steuertechnik pro Sekunde 300 Liter Luft durch die in einen Trichter montierte Pfeife bläst, soll künftig der Verteidigung gegen Seepiraten dienen, bei Sicherheitstkräften die Lücke zwischen Wasserwerfern und Schusswaffen schließen, als Objektschützerin Industrie- und Militärkomplexe, wichtige staatliche Einrichtungen und Einkaufszentren vor Angriffen bewahren sowie gegen Geiselnehmer eingesetzt werden.

Der Superlärm von bis zu knapp 190 Dezibel ähnelt dem Piepton eines Rauchmelders und ist nicht nur ohrenbetäubend, sondern schier unerträglich. Ab 100 Metern Entfernung zur Schallquelle flattern die Knie, stellen sich Übelkeit und Schwindel ein, entsteht ein starker, schmerzhafter Druck auf den gesamten Körper bis hin zur Ohnmacht. Am Ende platzt das Trommelfell. Zum Vergleich: Ein vorbeifahrender Lkw erzeugt 90, ein Rockkonzert 110, Formel-1-Boliden 130 und ein Raketenstart 140 Dezibel.

„Da will man einfach nur noch weg“, beschreibt Hügin-Gründer und Geschäftsführer Lothar Hügin die Wirkung der Schallkanone, die er mit seinem Team zur Marktreife geführt hat. Nach eigenen Angaben steht der erste Verkauf unmittelbar bevor. „Das Geschäft ist so gut wie perfekt“, sagt der 51-jährige Bauingenieur, ohne den Kunden zu verraten. Nur so viel: Das erste Fahrzeug – ein elf Tonnen schwerer Lkw – geht ins Ausland. Kostenpunkt: um eine Million Euro. Der Unternehmer sieht ein Riesenpotenzial für sein akustisches Verteidigungssystem. Das Interesse an der neuartigen Technik sei weltweit sehr groß.

Kompakt: Die Technik ist in einem kleinen Koffer untergebracht. Die Schallkanone wird auf den Lkw montiert. Fotos: Koch/Archiv

Die Lkw werden bei Spezialfahrzeugbauern in Süd- und Mittelhessen umgebaut. Die Endmontage der Schallkanone soll auf dem alten Flughafen Kassel-Calden erfolgen, der in ein Gewerbegebiet umgewidmet wird. „Wir wollen hier fertigen und weiterentwickleln“, bekennt sich Hügin klar zur Region. Wie viele neue Jobs er schaffen könne, hänge von der Auftragsentwicklung ab. Zu angepeilten Umsatzzahlen und Investitionen sagt Hügin nichts. „Wir haben gewaltig gesät, und jetzt wollen wir ernten.“

Die pneumatisch betriebene Mega-Pfeife ist faktisch konkurrenzlos. Ein ähnliches US-Produkt arbeitet auf elektromagnetischer Basis und ist laut Hügin nicht annähernd so wirkungsvoll.

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