Grenzen des Dauerbetriebs

Mähroboter-Lärm: Noch gibt es keine Gerichtsentscheidungen

Kassel. Rasenmäher ist mittlerweile oft eine Sache für Roboter. Kleine Maschinen wuseln sich durch so manchen Garten. Das schmeckt nicht jedem Nachbarn. Klagen bei Behörden sind bisher aber eine Seltenheit.

Sie heißen Hennes, Robbi oder Heinz und haben bereits in vielen Gärten Einzug gehalten. „Die Mähroboter unserer Kunden haben alle Namen erhalten und gehören jetzt quasi zur Familie“, sagt der Inhaber der Vellmarer Firma Bischof Motors, Jürgen Bischof, schmunzelnd. Von Jahr zu Jahr würden die automatisch und selbstständig arbeitenden Rasenmäher immer beliebter, sagt der Fachmann. Bereits über 250 dieser Systeme habe allein sein Betrieb schon in Gärten installiert.

Dabei komme es häufig vor, dass Nachbarn, Freunde und Verwandte es einem Mähroboter-Kunden gleichtun und ebenfalls ein Gerät bestellen. Von Beschwerden über Lärmbelästigungen habe er noch nichts gehört. „Die Rücknahmegarantie hat noch nie jemand in Anspruch genommen“, sagt Bischof.

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Immer mehr Nachbarn fühlen sich durch Lärm von Mährobotern gestört

Auch bei der Polizei, dem Umwelt- und Gartenamt oder beim Amtsgericht, das in Kassel im vergangenen Jahr 31 Fälle von Nachbarschaftsstreitigkeiten verhandelte, sind solche Klagen bislang nicht bekannt. Allerdings ist in solchen Fällen als erste Instanz der Gang zu einer Schlichtungsstelle vorgeschrieben. Einigt man sich hier auf eine Regelung, so ist diese rechtlich verbindlich und ein Gerichtsverfahren wird überflüssig. So könnte auch der Streitfall wegen eines Mähroboters enden, den der Kasseler Rechtsanwalt Jürgen Eichel beschreibt. Deshalb gebe es bislang noch keine gerichtlichen Entscheidungen über Betriebszeiten für Mähroboter. Eichel: „In welchem Umfang innerhalb der geltenden Grenzen ein Dauerbetrieb für die Nachbarschaft zumutbar ist, ist noch nicht abschließend geklärt.“

Mit 60 bis 63 Dezibel (etwa so laut wie eine Nähmaschine oder ein Gruppengespräch) seien die von ihm vertriebenen Geräte ohnehin relativ leise, sagt Bischof. Hier gibt es allerdings durchaus Unterschiede. Beim im Internet nachzulesenden Test einer großen Gartenzeitschrift maßen die Tester bei einzelnen Geräten auch 85 bis 90 Dezibel, was der Lärmbelastung an einer Hauptverkehrsstraße entspricht. Vor der Anschaffung sollte man sich also auch über die Lautstärke des Geräts informieren. So sollte die beim Nachbarn ankommende Geräuschimmission in Wohngebieten tagsüber nicht über 55 Dezibel liegen.

Bischof lobt die Vorzüge der modernen Gartenhelfer, die immerhin etwa zwischen 1000 und 3000 Euro kosten können. Sie seien „der Königsweg der Rasenpflege“, sagt er. Denn der Roboter mähe nicht nur, sondern mulche gleichzeitig auch. So entwickelten sich die automatisch gepflegten Flächen auch aufgrund der besseren Nährstoffversorgung „mit Abstand am besten“. Über diesen Anblick mag sich dann auch der Nachbar freuen. Foto: Fischer

Von Martina Heise-Thonicke 

Hintergrund: Lärmschutz mit Rücksicht auf die Nachbarn

Seit 2005 ist auch der Betrieb von Gartengeräten in der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung (32. BlmSchV) geregelt. Darunter fallen auch Rasenmäher. Mähroboter unterliegen dieser Regelung nach Auskunft des Kasseler Umwelt- und Gartenamtes aber nicht.

Die 32. BlmSchV sei nur dann gefragt, wenn es um Arbeiten im Freien, in Wohngebieten und anderen lärmempfindlichen Gebieten geht und das benutzte Gerät in der Verordnung aufgeführt ist.

Rasenmäher, Rasentrimmer, Motorhacken, Heckenscheren, Vertikutierer und Schredder können danach montags bis samstags von 7 bis 20 Uhr eingesetzt werden. Die Einhaltung der Mittagsruhe ist nicht vorgesehen. Besonders laute Geräte wie Laubbläser, Laubsammler, Benzin-Grastrimmer und -Freischneider dürfen ebenfalls außer an Sonn- und Feiertagen indes nur von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr eingesetzt werden.

Beim Umwelt- und Gartenamt gingen immer mal wieder Anfragen zu den Betriebszeiten von Gartengeräten ein, teilte ein Stadtsprecher mit. Darunter seien auch Beschwerden über laute Rasenmäher und Laubsammler gewesen. Beschwerden über Mähroboter seien indes nicht bekannt.

Für eine gute Nachbarschaft sei es am wirkungsvollsten, wenn man den Lärmverursacher auf die Situation anspricht, sodass dieser reagieren könne, lautet der Rat eines Gartenamtsmitarbeiters. (hei)

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