Katholische Familienbildungsstätte feiert 50-jähriges Bestehen – Von Anfang an für alle Konfessionen offen

Männerkurs in der Mütterschule

„Der Mann am Herd“: Schon 1965 belegten auch Herren in der damaligen Katholischen Mütterschule Kurse. Die Männer-Kochkurse gibt es bis heute. Fotos: Privat / Porträtfoto: Rudolph

Kassel. Frauen auf die Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereiten: Das wollte die Katholische Mütterschule Kassel, die heute vor 50 Jahren in der Engelsburg eröffnete und später zur Katholischen Familienbildungsstätte wurde. Ziel sei es, „Mütter, Bräute und Frauenjugend in Fragen der Haushaltsführung und Kindererziehung zu beraten und weiterzubilden“, hieß es im ersten Programmheft von 1964.

Der Säuglingspflegekurs wurde damals von einem Priester, einem Arzt und einer Säuglingsschwester geleitet. Trotz des katholischen Hintergrunds stand die Einrichtung aber von Anfang an auch Nicht-Katholiken offen. Und auch Männer fanden bald ihren Weg in die Mütterschule: Schon 1965 nahmen auch Väter an den Babykursen teil und es gab erstmals einen Herrenkochkurs für Lehrer der Engelsburg, damals noch ein Mädchengymnasium.

Tai-Chi und Yoga sind Renner

Die Kochkurse für Männer gibt es bis heute in der Katholischen Familienbildungsstätte, die inzwischen im Adolph-Kolping-Haus beheimatet ist und am Wochenende ihr Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür feiert (siehe Hintergrund). Mit dem Wandel der Gesellschaft und des Familienbilds hat sich aber auch das Angebot der Weiterbildungseinrichtung verändert. Neben Babymassage und Eltern-Kind-Turnen gibt es einen interkulturellen Spielkreis. Die Kochkurse reichen von Nordhessisch-Deftig bis Koreanisch, und Berufstätige sind mit „After-Work-Cooking“ angesprochen.

Am besten angenommen würden derzeit die Angebote aus dem Bereich Gesundheit und Bewegung wie Yoga, Tai-Chi und Gymnastik, sagt Stephan Wittich, Leiter der Familienbildungsstätte. Aber auch klassische Handarbeitskurse im Nähen und Sticken gibt es nach wie vor. Die Herausforderung bei der Gestaltung des Angebots sei, die Bedürfnisse der Menschen zu treffen und dabei „einerseits nicht jedem Trend hinterherzulaufen und andererseits nicht verstaubt zu wirken“, sagt der 39-Jährige.

Gesellschaftliche Veränderungen bemerkt die Familienbildungsstätte auch an der Akzeptanz des Kursangebots. Mit der zunehmenden Betreuung von unter Dreijährigen in den Kitas lasse derzeit das Interesse an den Spielkreisen nach, beobachtet Wittich. Nicht gerüttelt wurde in den 50 Jahren an der christlichen Grundausrichtung. „Kochkurse kann man natürlich auch anderswo machen, aber bei uns wird der Mensch in seiner Ganzheit gesehen und angenommen, wie es dem Evangelium entspricht“, sagt Wittich. Ein Tischgebet, ein Kreuz an der Wand - auch daran ist die katholische Trägerschaft bis heute spürbar. Wer damit nichts anfangen kann, ist dennoch herzlich willkommen. Ein Großteil der Teilnehmer sei anderer oder keiner Konfession.

Finanziert werden die Angebote zu einem Drittel über die Kursgebühren und zu zwei Dritteln über das Bistum (Trägerverein Katholische Familienbildungsstätten in der Diözese Fulda), das 333 000 Euro im Jahr beisteuert.

Von Katja Rudolph

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.