Ab diesem Jahr

Kein Plastik auf dem Weihnachtsmarkt Kassel: Festwirte auf der Suche nach Ersatz

+
Zieht jährlich über 2 Millionen Besucher an: Der Kasseler Märchen-Weihnachtsmarkt. In der vergangenen Saison entstanden dort 60 Tonnen Abfälle aller Art.

Ab diesem Jahr dürfen auf dem Weihnachtsmarkt in Kassel keine Plastikprodukte mehr herausgegeben werden. So gehen die Händler damit um.

Die Ansage ist klar. „Diese Deutlichkeit der Veranstalter begeistert mich“, sagt Manfred Menze von der Initiative „Kassel plastikfrei“: Auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt dürfen künftig keine Artikel aus Einwegplastik mehr an die Besucher herausgegeben werden. Das betrifft in besonderem Maß die Gastronomiestände, deren Betreiber nun nach umweltfreundlichen Alternativen für Essensschalen, Besteck und Trinkhalme suchen.

Doch das sei in der Praxis gar nicht so einfach, berichtet Daniel Geibel, Betreiber der „Thüringer Feuerhütte“, die für ihre Currywurst in acht Schärfegraden bekannt ist. Bisher wurden die auf Plastikschalen serviert. Geibels Problem: Zwar biete der Markt inzwischen diverse Öko-Schalen an, „aber viele davon sind bei unserer heißen, scharfen Soße ziemlich schnell durchgeweicht“.

Weihnachtsmarkt Kassel: Besteck und Teller aus Bio-Kunststoff

Dann gebe es noch Teller und Besteck aus Bio-Kunststoffen, die biologisch abbaubar seien. Aber, so Geibel: „Die sehen genau aus wie herkömmliches Plastik. Das müssten wir unseren Kunden am Stand ständig erklären und die Zeit haben wir nicht.“

Der Festwirt hat einige Versuche gemacht und ist nun bei kompostierbaren Schalen aus Zuckerrohrpflanzen gelandet. Die seien soßenstabil, naturbraun und genauso öko, wie sie aussehen.

So soll es nicht mehr aussehen: Die Ausgabe von Plastikgeschirr an den Ständen ist künftig verboten. 

Strohhalme an seinem benachbarten Getränkestand hat Geibel bereits abgeschafft, nach zahlreichen kritischen Kommentaren in Bezug auf Plastikmüll. „Man merkt, dass die Leute sehr sensibel für das Thema sind.“ Daraufhin hat der Standbetreiber die Sache ganz pragmatisch erledigt und sich – abweichend von früheren Routinen – einmal die Frage gestellt: „Wer trinkt überhaupt Heißgetränke durch einen Strohhalm? Damit matscht man doch bloß ein wenig in der Sahne herum.“

"Brutal viel Müll" auf Kasseler Weihnachtsmarkt

Bis vor ein paar Jahren war Geibel auch der Marktmeister des Kasseler Märchen-Weihnachtsmarkts und weiß von daher: „Das ist brutal viel Müll, der da jeden Tag anfällt.“ Nach Auskunft von Kassel Marketing waren es in der gesamten vorigen Saison 60 Tonnen Abfall – darunter 7,5 Tonnen Altglas sowie 9,5 Tonnen Papier und Pappe zum Recyceln.

In den verbleibenden 43 Tonnen Restmüll, die in Kassel zur Verbrennung gehen, war alles Plastik bisher mit drin. Volksfestbesucher werfen alles, wie es kommt, in die bereitgestellten Tonnen – bei solchen Anlässen könne nicht erwartet werden, dass eine sortenreine Trennung funktioniert, sagt Organisatorin Andrea Behrens von Kassel Marketing. Der Ansatz sei künftig, dass Plastikmüll beim Publikum gar nicht erst anfällt.

Bei der Ware, die die Markthändler von ihren Lieferanten beziehen, ist das nicht so einfach. So sind etwa die Grillwürste, die Daniel Geibel bezieht, als 20er-Packs in Folie eingezogen – das sei „aus Hygienegründen“ notwendig.

Müllentsorgungsplatz für Besucher des Kasseler Weihnachtsmarkts

Für die Marktbeschicker gibt es einen eigenen, umzäunten Müllentsorgungsplatz auf dem Skatergelände an der Unteren Karlsstraße. Dort stand bisher neben Glas- und Papiercontainern eine große Müllpresse der Stadtreiniger, in die alles andere hinein kam – eine Möglichkeit, Plastik getrennt zu entsorgen, gab es jedoch nicht. Das werde nun geändert, kündigt Organisatorin Behrens an.

Der Müllplatz ist zwei Mal pro Weihnachtsmarkttag zu festen Zeiten für anliefernde Schausteller geöffnet. Das Aufsichtspersonal werde künftig jeden zurückschicken, der Säcke mit ungetrenntem Abfall bringt, und auf eine separate Plastik-Entsorgung achten. „Wir werden das kontrollieren und notfalls Abmahnungen aussprechen, bis es jeder kapiert hat“, sagt Andrea Behrens. Das Ziel aber sei: Auch bei ihrer Einkaufsware sollen die Händler Plastik vermeiden, soweit es irgend möglich ist.

Mit dem Thema Plastikvermeidung sind die Kasseler Weihnachtsmarktveranstalter auf der Höhe der politischen Nachhaltigkeits-Debatte: Laut einem Gesetzentwurf des Bundesumweltministeriums sollen Plastiktüten im Einzelhandel ab 2020 komplett verboten werden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.