Verhandlungsauftakt

Mafia-Methoden in Wettbüro-Szene: Opfer sollte seinen Finger verlieren

Kassel. Mit Mafia-Methoden sollen vier Angeklagte den Betreiber eines Kasseler Wettbüros zur Aufgabe seines Geschäfts gezwungen haben, deshalb müssen sich die vier Männer im Alter zwischen 25 und 42 Jahren seit Dienstag vor dem Landgericht verantworten.

Auslöser der Tat soll laut Staatsanwaltschaft gewesen sein, dass das spätere Opfer im Jahre 2008 das Wettbüro des 42-jährigen Angeklagten übernommen hat. Der befand sich dem Vernehmen nach zu jener Zeit in Haft, er soll sich durch die Übernahme seines Büros während seiner Abwesenheit betrogen gefühlt und deshalb den Auftrag gegeben haben, seinem Nachfolger einen Denkzettel zu verpassen.

Am 31. Juli vergangenen Jahres wurde, heißt es in der Anklage, ein Termin zwischen dem 42-Jährigen Angeklagten und dem späteren Opfer arrangiert. Die drei anderen Angeklagten holten den Wettbürobetreiber demnach ab und brachten ihn in eine Tiefgarage. Dort versetzten sie ihm „mit schönen Grüßen“ von ihrem Auftraggeber - dem 42-Jährigen - Schläge und Tritte, außerdem sollen seine Peiniger 25.000 Euro als Strafzahlung verlangt haben.

Die Tortur setzte sich in der Wohnung eines er drei Angeklagten fort: Dort wurde der gekidnappte Mann mit einem Gürtel geschlagen. Und man zeigte ihm ein Messer, dessen Klinge angeblich mit Blut und Gewebe beschmutzt war – das sollten Reste einer Strafaktion gewesen sein, bei der einem anderen Betreiber eines Wettbüros in einem ähnlichen Streit der kleine Finger abgeschnitten worden sein soll.

Das Opfer soll dadurch derart beeindruckt gewesen sein, dass es in seiner Not einen Verwandten anrief, der spontan 10.000 Euro auftreiben konnte. Die drei Angeklagten sollen ihrem Opfer dann noch die Zusage abgepresst haben, dass er kein Wettbüro mehr betreibt und ausschließlich für den 42-Jährigen arbeitet. Mit Wirbelbrüchen, Prellungen, Schürfwunden und Hämatomen wurde der misshandelte Mann von zwei Angeklagten ins Marienkrankenhaus gebracht.

Am ersten Prozesstag wurde die Anklageschrift verlesen, die Angeklagten sollen sich voraussichtlich am 5. Mai zu den Vorwürfen äußern, das Opfer wird an einem späteren Termin zu Wort kommen.

Von Ralf Pasch

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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