Magazinhof: Ortsbeirat fordert Abriss

Kassel. Der Magazinhof (zwei Silos, Lagerhalle und Heeresbäckerei) soll abgerissen werden. Das fordern zumindest die Mitglieder des Ortsbeirats Niederzwehren. Ein entsprechender Beschluss wurde bei der jüngsten Sitzung des Stadtteilgremiums einstimmig gefasst.

Man müsse den Mut aufbringen, zu sagen, was der Stadtteil benötige, um sich optimal weiterentwicklen zu können, sagte Ortsvorsteher Harald Böttger (SPD). Seiner Ansicht nach braucht Niederzwehren dringend Bauplätze für Einfamilien- beziehungsweise Reihenhäuser. Die könnten auf dem Areal an der Leuschnerstraße entstehen.

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Die Forderung des Ortsbeirats hat nur einen Haken: Erst in diesem Sommer teilte das Landesamt für Denkmalpflege mit, dass der Magazinhof, ein Getreidelager der Wehrmacht, aus architektur-, militär- und lokalgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Nur zwei Brandruinen dürfen abgerissen werden.

Das sehen die Mitglieder aller Parteien im Ortsbeirat anders: Das ehemalige Heeresverpflegungshauptamt dürfe „durch die unter Denkmalschutzstellung nicht aufgewertet“ werden. Es bestehe kein grundsätzliches öffentliches Interesse, die Gebäude zu erhalten.

Ein aktueller Blick auf den Magazinhof

Aktueller Blick auf den Magazinhof

Durch den Denkmalschutz bekomme der Gebäudekomplex aus dem Dritten Reich einen Stellenwert, der unpassend zur Vorgeschichte sei. Dies gelte insbesondere für das Sgraffito an einem der Silos. Die angewandte Kratzputztechnik stelle ein Bild auf Basis der Blut-und-Boden-Ideologie dar. Ein Darstellung dieser Art gehöre allerhöchstens in ein Museum, aber nicht in den öffentlichen Bereich.

Zudem verwies Böttger darauf, dass es in Deutschland noch ausreichend Gebäude dieses Typs gebe, die bereits unter Denkmalschutz gestellt worden sind. Es müsse deshalb nicht auch noch in Hessen solch ein Objekt erhalten werden. Ein Abriss sei auch finanzierbar. In Paderborn habe die Sprengung des dortigen Getreidelagers vom gleichen Bautyp 1,5 Mio. Euro gekostet, sagt Böttger. 

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), Eigentümerin des Magazinhofs, werde nicht gegen die Entscheidung des Landesamtes für Denkmalpflege vorgehen, sagt die für den Verkauf zuständige Mitarbeiterin Karin Löber. Wie es mit dem Areal weitergehen soll, könne sie derzeit noch nicht sagen. „Es ist noch alles offen. Wir warten auf weitere Gespräche mit der Stadt.“

Das sagt die Stadt:

Vergangene Woche gab es einen gemeinsamen Rundgang von Bima und Stadt über den Magazinhof. Laut Heinz Spangenberg, Leiter des städtischen Amts für Stadtplanung, Denkmalschutz und Bauaufsicht, befinden sich die massiven Gebäude aus Stahlbeton in einem guten Zustand. Gemeinsam mit der Bima wolle man nun überlegen, welchen Inhalt eine Machbarkeitsstudie für das Areal haben könne. Vertreter der Stadt seien zudem nach Münster gefahren, um sich die dort zu einem modernen Büro- und Kommunikationszentrum umgebaute Speicherstadt aus dem Jahr 1939 anzuschauen. In Münster sind in den Umbau des ehemaligen Heeresversorgungsamt es 60 Mio. Euro, darunter viele öffentliche Mittel, geflossen. Spangenberg räumt ein, dass es in Kassel andere wirtschaftliche Voraussetzungen gebe. Hier setzt man auf private Investoren. Er schließt aus, dass die Stadt den Magazinhof kaufen wird. Zudem würde sich Oberkonservator Prof. Peer Zietz vom Landesamt für Denkmalpflege das umstrittene Sgraffito noch einmal genau angucken, um festzustellen, ob die Wandmalerei aus dem Dritten Reich noch zu retten sei. (use)

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Video aus dem Archiv: Magazinhof: Ein Ortstermin und zwei Brandruinen

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