Therapie im Adipositaszentrum Nordhessen am Marienkrankenhaus

Kasseler nahm mithilfe von Magenoperation fast 80 Kilo ab: „Ich habe nun ein neues Leben“

+
175 Kilogramm wog Dieter Kühne im Herbst 2013 kurz vor der OP. Heute bringt er weniger als 100 Kilogramm auf die Waage.

80 Kilogramm Gewichtsverlust - damit hat der Kasseler Dieter Kühne sein Gewicht nahezu halbiert. Hilfe hatte er durch eine Magenoperation.

Dieter Kühne strahlt Energie und Tatendrang aus, seine Augen leuchten, ein Lächeln umspielt immer wieder seine Lippen. Stolz erzählt der 62-Jährige von den vergangenen fünf Jahren, in denen er es schaffte, 80 Kilogramm abzunehmen. Sein Gewicht hat Kühne so nahezu halbiert, 175 Kilogramm brachte er zuvor auf die Waage. „80 Kilogramm sind noch mehr, als ich mir erhofft hatte“, sagt Kühne. Sein Ziel vor der Magenoperation im Januar 2014 sei ein Gewicht von 115 Kilogramm gewesen.

Rund zehn Jahre lang kämpfte Kühne mit dem Übergewicht. „Um die 100 Kilo wog ich auch vorher“, sagt der Rentner. Durch eine Erkrankung an Darmkrebs 2003 und der Chemotherapie sei es jedoch schlimmer geworden. Zwei Wochen lang, nach jeder Chemo, ging es Kühne durch die Nebenwirkungen so schlecht, dass er kaum noch etwas essen konnte. Waren diese Tage vorbei, habe er dann das gegessen, was ihm vorher fehlte, sagt Kühne. „So gewöhnte mein Körper sich an den Jojo-Effekt. Und hat man einmal ein gewisses Body-Mass-Index erreicht, wird es immer schwieriger, etwas zu ändern.“

Sein Hausarzt warnte und schickte Kühne zu einem Ernährungsmediziner im Adipositaszentrum Nordhessen am Marienkrankenhaus. „Eine Magen-Operation kam da noch nicht für mich in Frage.“ Erst aber eine Untersuchung im Schlaflabor änderte seine Entscheidung. „Die Ergebnisse waren katastrophal. Ich hatte Atemaussetzer im Schlaf, bedingt durch das Übergewicht“, sagt Kühne.

Bei Dieter Kühne habe man sich für das Operationsverfahren Schlauchmagen entschieden, erklärt Dr. Johannes Heimbucher, Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Marienkrankenhaus und Leiter des Adipositaszentrum Nordhessen. Die Art der OP werde individuell entschieden. Vor der OP durchläuft der Patient das sogenannte multimodale Programm, das eine psychologische Betreuung, Ernährungsberatung und Sport beinhaltet.

„Bei dem derzeit häufigsten angewendeten Eingriff Magenschlauch wird der Magen mit einer langen Naht zu einem Schlauch verkleinert“, sagt Heimbucher. Ein Magenteil werde dabei abgeschnitten, der normale Verdauungsweg bleibe erhalten, der Gewichtsverlust habe meist größere Erfolge als mit einem Magenband.

„Generell gilt für alle OP: Nur eine optimale Nachversorgung sichert in den meisten Fällen einen Erfolg“, so Heimbucher.

Das Adipositaszentrum Nordhessen bietet deswegen seinen Patienten daher eine lebenslange Nachsorge an, bei denen ihre Gesundheit kontrolliert wird. Regelmäßig finden auch Treffen statt, bei denen sich Patienten austauschen und Sport treiben können.

Schmerzen nach der OP habe Kühne nicht gehabt. In den ersten zwei Wochen nahm Kühne zehn Kilogramm ab, in einem halben Jahr fast 30. „Ich wurde zum Gourmetesser“, scherzt er. „Ich konnte nur noch kleine Portionen essen. Mehr passte nicht in den Magen.“

Für eine OP würde Kühne sich sofort wieder entscheiden, sagt er. „Ich habe nun ein neues Leben.“ Und das sieht in etwa so aus: Dieter Kühne hat den Krebs besiegt, hat ein gesundes Gewicht erreicht, keine Atemaussetzer mehr – und: „Ich kann wieder Ski- und Radfahren. Das war ein großer Wunsch.“

Drei Fragen an

Dr. Johannes Heimbucher ist seit 1999 Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Marienkrankenhaus. Er leitet außerdem das zertifizierte Adipositaszentrum Nordhessen. 

Wann ist ein Mensch übergewichtig, wann leidet er an Adipositas? 

Das kann man zum Beispiel mit dem Body-Mass-Index feststellen, also Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Liegt das Ergebnis zwischen 25 und 30, ist ein Mensch übergewichtig. Bei über 30 leidet er an Adipositas. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, und nicht um eine schlechte Angewohnheit. 

Warum leiden immer mehr Menschen unter dieser Krankheit? 

Dafür gibt es viele Gründe. Früher musste der Mensch tausende Jahre lang für seine Nahrung auf Jagd gehen. Heute werden wir von Essen gejagt. Überall wird etwas zu essen angeboten, überall findet man Werbung für Essen. Der Anteil der Hauptmahlzeiten ist geringer, die Menschen essen mehr Snacks. Und auch der Zucker, in vielen Lebensmitteln zu finden ist, spielt eine große Rolle. 

Für welche übergewichtigen Menschen eignet sich eine Magen-OP? 

Hat ein Patient ein Body-Mass-Index von mehr als 40, ist eine OP in den meisten Fällen die einzige Möglichkeit, einen Menschen zu retten. Operationen können außerdem auch bei Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Arthrose oder Schlafapnoe auch bei geringerem Übergewicht Sinn machen.

Das Adipositas-Zentrum Nordhessen am Marienkrankenhaus, Marburger Straße 85, wird am Samstag, 18. Mai, anlässlich des Europäischen Adipositastages von 14 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür mit Vorträgen, Postern und Möglichkeiten für persönliche Gespräche mit Experten und Patienten veranstalten. Im Zentrum der Veranstaltung steht ein Fachvortrag des Chefarztes PD Dr. Johannes Heimbucher von 14.30 bis 15.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.