Stufen und Platten werden bis Sommer 2021 saniert

Gustav-Mahler-Treppe ist derzeit Erdpiste: Waschbetonplatten werden nach Sanierung wieder eingebaut

Sieht aus wie eine Erdpiste: Das Pflaster und die Treppenstufen der Gustav-Mahler-Treppe wurden von den Bauarbeitern aufgenommen und an den Seiten ordentlich gestapelt.
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Sieht aus wie eine Erdpiste: Das Pflaster und die Treppenstufen der Gustav-Mahler-Treppe wurden von den Bauarbeitern aufgenommen und an den Seiten ordentlich gestapelt.

Die Gustav-Mahler-Treppe erinnert derzeit an einen Skihang nach der Tauperiode: Dort wo Fußgänger noch bis vor Kurzem über 107 Stufen schritten, erstreckt sich nun eine matschige Erdpiste vom Friedrichsplatz bis zur Karlsaue. Es ist der Start der 2,1 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten.

Kassel - Bis Ende 2021 – und damit rechtzeitig vor der documenta – soll die Sanierung der 50 Jahre alten Treppenanlage und dem benachbarten Rosenhang abgeschlossen sein.

Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) wird die Treppe aus Denkmalschutzgründen so weit wie möglich wieder in den Zustand versetzen, in dem sie beim Bau 1964 gewesen ist. Dies gilt auch für die Stufen und etwa 7000 Platten aus Waschbeton. Nur beschädigte Exemplare werden ausgetauscht, das restliche Material werde gereinigt und neu verbaut, sagt Gartenhistoriker Siegfried Hoß von der MHK.

Aber was ist an Waschbeton denkmalwürdig? Die Treppe sei ein schönes Beispiel aus der Phase des Brutalismus, erläutert Hoß. Der Baustil der Moderne war die dominierende Architektur der 1960er- bis 80er-Jahre. In vielen Städten seien Bauwerke des Brutalismus – die vor allem durch Sichtbeton gekennzeichnet sind – zurückgebaut worden. Erst jüngst habe man ihren Wert erkannt. „Auch bei uns gab es eine Diskussion darüber, ob die Treppe so zu erhalten ist“, erzählt Hoß von der MHK.

Landschaftsarchitekt Wolfgang Schück von Loma-Architekten aus Kassel, die gemeinsam mit dem Büro Riehl Bauermann und Partner, mit der Umsetzung beauftragt sind, ergänzt: „Man braucht oft einen zeitlichen Abstand, um den Wert der Dinge zu bemessen. Vielleicht verstehen wir es noch nicht, aber unsere Kinder.“ Einen ähnlichen Prozess habe es mit anderen Baustilen – etwa dem Jugendstil – gegeben. Schück vergleicht die Treppe mit einem Beton-Bach, der ins Tal stürzt.

Weil es gar nicht so einfach ist, heutzutage Waschbetonfliesen in der gleichen Optik zu bekommen, lässt die MHK nun extra welche aus Weser- und Leine-Kies anfertigen. Doch bevor Stufen und Platten wieder neu verlegt werden können, muss zunächst der Unterbau instand gesetzt werden. Ab Februar sollen dann die Platten neu verlegt werden. Diesmal aber nicht auf Sand wie zur Bauzeit, sondern auf Splittbeton. Dieser soll verhindern, dass die Platten wieder nach einiger Zeit absacken und sich Stolperfallen bilden. Um die Treppe in ein besseres Licht zu rücken, wird auch die Beleuchtung erneuert. Geplant sind schlichte Mastleuchten und nach unten strahlende LED-Leuchten in den Handläufen.

Ab Frühjahr sollen dann auch die Arbeiten am benachbarten Rosenhang starten. Dort stehen die Sanierungen der Trockenmauern und der Treppenanlagen im Fokus. Zudem sollen auch zwei Treppen entfernt werden, die erst in den 1980er-Jahren gebaut wurden und nicht zum ursprünglichen Entwurf des Landschaftsarchitekten und Buga-Leiters Hermann Mattern gehörten.

Während die Arbeiten an der Gustav-Mahler-Treppe schon bis August 2021 abgeschlossen werden sollen, wird es am Rosenhang noch bis Jahresende dauern, so Hoß von der MHK. (Bastian Ludwig)

Werden gereinigt und neu verbaut: Die Waschbetonplatten und Stufen kommen aus Denkmalschutzgründen wieder zum Einsatz.

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