Mai macht April Konkurrenz

Regen kommt Parkanlagen und Wäldern in Kassel zugute

Bekommen derzeit ausreichend Wasser: Blumen im Botanischen Garten in Kassel. Wegen des schlechten Wetters mussten die Bepflanzungen vieler Beete verschoben werden.
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Bekommen derzeit ausreichend Wasser: Blumen im Botanischen Garten in Kassel. Wegen des schlechten Wetters mussten die Bepflanzungen vieler Beete verschoben werden.

Das Maiwetter in diesem Jahr ist vor allem eines: unbeständig. Sonne, Regen und dunkle Wolken wechseln sich ab, dazu ist es kühl. Also echtes Aprilwetter – und das im Mai.

Kassel – Grund für das unbeständige Wetter ist ein Tiefdruckgebiet über den Britischen Inseln, das von Westen und Südwesten kühle Atlantikluft bringt. Auch wenn das Jahr schon fast zur Hälfte um ist und am Dienstag für die Meteorologen der Sommer beginnt, wurde es so bisher nichts mit Sommergefühlen. Bei so viel Regen und wenig Wärme kommt die Frage auf: Müsste es im Mai nicht wärmer sein?

Der Rückblick

Ein Blick auf den Wonnemonat im vergangenen Jahr zeigt: Auch er war laut Deutschem Wetterdienst insgesamt mit durchschnittlich 11,9 Grad etwas zu kühl, dafür aber sonnenreich und sehr trocken. Mit 40 Litern Regen pro Quadratmeter lag er deutlich unter dem Niederschlagssoll von 71 Litern pro Quadratmeter. Und auch wenn der Mai 2020 eher kühl startete, brachten subtropische Luftmassen nach den Eisheiligen Mitte des Monats immerhin sommerliche Temperaturen von 25 Grad.

Blickt man auf die vergangenen zehn Jahre, zeigt sich, dass die Durchschnittstemperatur im Mai zwischen 10,4 und 14,5 Grad schwankte. Wie der Durchschnitt im aktuellen Monat aussehen wird, lässt sich noch nicht sagen. DWD-Meteorologe Simon Trippler spricht aber schon jetzt davon, dass der Mai „als viel zu kühler Monat enden“ wird. Ähnlich sah es auch im Vormonat aus. Denn während der März laut Trippler eher durchschnittlich war, war es auch im April zu kalt. „In Hessen war der April der kälteste seit 1977 und seit 1938 sogar der frostreichste.“ Zugleich zeigen die Aufzeichnungen, dass es deutlich zu trocken und recht sonnig war.

Die Parkanlagen

Die Auswirkungen des kühlen Wetters spüren auch die Mitarbeiter des Kasseler Umwelt- und Gartenamtes. „Die Natur hängt ungefähr zwei Wochen hinterher“, sagt Stadtsprecher Michael Schwab. Man müsse den Betriebsablauf dementsprechend anpassen. „Die Frühjahrsbepflanzung und auch die laufende Sommerbepflanzung der Beete im Stadtgebiet mussten nach hinten verschoben werden, da die Pflanzen noch länger im Gewächshaus bleiben mussten“, so Schwab.

Die gute Nachricht für die Kasseler Parkanlagen: Es gab genügend Feuchtigkeit für alle Pflanzen. „Nach drei vergleichsweise trocknen und warmen Frühjahren ist diesmal ausreichend Wasser und eine ausgewogene Temperatur in der Triebphase der Pflanzen gegeben, damit sie optimal austreiben können“, sagt Schwab. Dies sei auch an den Bäumen und Pflanzen zu erkennen. „Die sind in diesem Jahr deutlich größer.“

Die Wälder

Oft war zuletzt zu lesen, dass die Wälder um Kassel deutlich zu trocken sind. „Grundsätzlich hat es mehr geregnet als im letzten Jahr. Der Regen und das kühle Wetter tun dem Wald gut“, sagt Johannes Weidig von Hessen Forst. Jedoch sei der Regen immer noch nicht ausreichend. „Er reicht nur für die oberen Schichten des Bodens“, sagt Weidig. „Das ist zwar gut für Pflanzen, die neu gepflanzt werden, aber viele Bäume haben ein bis zwei Meter tiefe Wurzeln. Da kommt kein Regenwasser mehr hin.“

Die Trockenheit der letzten Jahre hat dafür gesorgt, dass die Bodenwasserspeicher aufgebraucht sind, berichtet Weidig. Damit alle Bäume bis tief in die Wurzeln mit Wasser versorgt werden können, müsste es mehrere Wochen knapp 100 Liter pro Quadratmeter regnen.

Der Ausblick

Die Wettervorhersage gibt Hoffnung auf Besserung: Bis Ende der Woche bleibt es zwar noch kühl mit vereinzelten Regenschauern, doch für Sonntag sagt der Deutsche Wetterdienst 18 Grad und bis zu zwölf Sonnenstunden voraus. Wie das Wetter später in diesem Sommer wird, lässt sich dagegen nur schwer vorhersagen. „Ob die Kehrtwende des Wetters hin zu sonnig-warmen Verhältnissen von längerer Dauer ist, lässt sich momentan noch nicht abschätzen“, so Meteorologe Trippler. (Eva Krämer)

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