Mai-Demo in Kassel: Mehr als 1000 Menschen in der Karlsaue

Fahnenmeer: Auf ihrem Weg in die Karlsaue verliehen die Teilnehmer der Mai-Demonstration ihren Forderungen mit Trommelklängen Nachdruck. Fotos: Schoelzchen

Kassel. Weit über 1000 Menschen haben am Dienstag bei der Maikundgebung des DGB in Kassel für gerechte Löhne und sichere Arbeitsverhältnisse demonstriert. Unter Trommelklängen zogen sie vom Philipp-Scheidemann-Haus in der Nordstadt über die Holländische Straße und den Königsplatz zur Drahtbrücke in der Karlsaue.

Auf Plakaten und Transparenten forderten die Teilnehmer unter anderem eine „sofortige Abschaffung des Lohndumpings“ und die Übernahme der Auszubildenden. Neben den Gewerkschaftern waren auch Vertreter des Friedensratschlags, der Globalisierungsgegner Attac, von politischen Parteien und anderen Gruppierung dabei.

„Gekommen um zu streiken“ war Annika Dietz, wie auf ihrem T-Shirt zu lesen war. Die 21-Jährige beendet im Oktober ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin im Klinikum Kassel. Ob sie übernommen wird, weiß sie nicht. „Das ist überall so“, sagte sie über die Unsicherheit vieler Auszubildenden. Eine Weiterbeschäftigung sei in diesen Zeiten nicht mehr selbstverständlich.

Die Übernahme der Auszubildenden, gesicherte Arbeitsverhältnisse und angemessene Löhne - das waren die zentralen Forderungen beim Tag der Arbeit. Der stand diesmal im Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Südeuropa, die unter den Folgen der europäischen Schuldenkrise besonders zu leiden haben.

Der Frankfurter IG Metall-Bezirksleiter Armin Schild sprach bei der Abschlusskundgebung an der Drahtbrücke von einer „Krise der Gierigen, der Spekulanten und der Börsenzocker“, die nun auf dem Rücken der Beschäftigten in ganz Europa ausgetragen werde. Die Konsequenzen für Millionen von Menschen seien bitter. Schild griff die Bundesregierung scharf an. Deutschland sei dafür verantwortlich, dass die Banken nicht für die Krise zahlten. Dabei könne Geld kein Geld schaffen. Einen Mehrwert schaffen könnten allein die Menschen mit ihrer Arbeit und „nicht die teuren Schlipsträger in Frankfurt oder New York“. Schild forderte eine Art Marshall-Plan als Hilfe für die Menschen in Südeuropa und sicherer Arbeitsverträge.

Mai-Demonstration 2012 in Kassel

Auch für die Jugendlichen. 40 Prozent der unter 28-Jährigen in Deutschland sind laut Schild in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Fast eine Million Menschen seien als Leiharbeiter tätig. Deutschland sei in Europa Vorreiter bei Niedriglöhnen und Sozialabbau.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) würdigte die Leistung der arbeitenden Menschen. Sie hätten maßgeblichen Anteil an der guten wirtschaftlichen Entwicklung in Kassel und der Region.

Dass sie daran auch teilhaben und für ihre Rechte kämpfen wollen, daran ließen sie am Tag der Arbeit keinen Zweifel. Die IG Metall kündigte mit Blick auf die aktuellen Tarifverhandlungen weitere Warnstreiks in der Region an. (els)

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