Volle Innenstadtgeschäfte vor dem Fest – Wir haben zwei C&A-Mitarbeiterinnen über die Schulter geschaut

„Man darf sich nicht ärgern lassen“

An der Verkaufsfront: Nadine Biller (links) und Jacqueline Onay hatten bei C&A am Opernplatz am Samstag alle Hände voll zu tun – so wie auch das Personal in vielen anderen Innenstadthäusern. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Schon um kurz nach 10 Uhr am Samstag sind die meisten Parkhäuser brechend voll, in der Innenstadt atmen Hunderte Verkaufskräfte noch einmal durch vor dem größten Kundenansturm des Jahres. Auch C&A am Opernplatz ist schon rege bevölkert, viele Kinderwagen werden durch die Gänge geschoben. „Heute kommt die ganze Familie“, sagt Nadine Biller, Teamleiterin auf der 2. Etage. Unter der Woche seien überwiegend Frauen im Laden, um ihre Lieben federführend einzukleiden.

Dem hektischen Tag blickt die 29-Jährige gelassen entgegen. Ihre Ausstattung dafür: flache und hohe Schuhe samt Einlagen zum Wechseln, damit die Füße nicht schlappmachen, sowie ein gewinnendes Lächeln. „Wenn man ein freundliches Wort für die Kunden hat, kommt das meistens auch zurück“, sagt sie.

Und falls der Kunde seinen Weihnachsstress am Personal ablässt? „Man darf sich da einfach nicht ärgern lassen“, kann Nadine Biller noch sagen, als schon wieder ihr Schnurlostelefon klingelt. Kurzes konzentriertes Stirnrunzeln: „Das kann die Kollegin XY machen, ihr müsst sie dann aber an der Kasse ablösen.“ Kundin von rechts, der Tastendruck aufs Telefon hat zugleich das Lächeln angeknipst: Selbstverständlich könne die Winterjacke für zwei Stunden zurückgehängt werden. „Schönen dritten Advent noch für Sie.“

Ganzen Tag auf den Beinen

An den drei Kassen nebenan fliegen die Einpackhände – wenn einzelne Kolleginnen nach Stunden einen Kassenkoller bekommen, organisiert die Teamleiterin Ablösung. Auf allen Kanälen präsent sein, Ware auffüllen, immer wieder die Umkleiden in Ordnung bringen und laufen, laufen, laufen – was Verkäuferinnen täglich zu tun haben, wird an so einem Tag zum Leistungssport.

Am Nachmittag ist das Erdgeschoss ein einziger Kundentrubel. Dort unterstützt Jacqueline Onay, bei C&A für visuelle Verkaufsförderung zuständig, ihre Kolleginnen, denn die Aktion „Drei Strickteile zum Preis von zweien“ hat sich zum Absatzrenner entwickelt. Sie macht aber auch mehr Arbeit: Viele, die einen Einzelpulli gekauft haben, wollen diesen nun zurückgeben, eine Gutschrift erhalten und diese für die Drei-für-zwei-Aktion einsetzen. Jacqueline Onay hilft einer Kundin dabei: „Kommen Sie bitte mit zur Kasse?“

Dort steht die 26-Jährige erst mit der Frau allein, dann unversehens vor acht wartenden Kunden, weil die Kassen-Kollegin ganz kurz weg war. Jacqueline Onay bleibt nervenstark und freundlich – und sie behält auch den 500-Euro-Schein im Blick, den ein Kunde auf den Tresen gelegt hat und der unter Pulloverstapeln hin- und hergeschoben wird. Wer da den Überblick behält, könnte auch am Spielbanktisch anfangen. „Multitasking muss man hier schon können“, sagt Jacqueline Onay.

Nach einem langen Arbeitstag ist sie noch auf eine Geburtstagsparty eingeladen. Ihre Kollegin Nadine Biller will später mit ihrem Mann essen gehen. So ein Großkampftag im Vorweihnachtstrubel müsse auch einen schönen Ausklang haben, findet sie. „Aber an manchen Abenden ist man einfach nur platt.“

Von Axel Schwarz

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