Bloß weg von der Familie: Vermisstenfälle aus Kassel

Verzweifelte Suche: Wenn Menschen vermisst werden, sind die Angehörigen in großer Sorge. Die Kasseler Polizei hat jährlich im Schnitt mit weit über 100 Vermissten-Fällen zu tun. Archivfoto: dpa

Kassel. Weit über hundert Menschen werden jedes Jahr in Kassel als vermisst gemeldet. Die meisten tauchen wieder auf, andere bleiben verschollen. Wir schildern einige Fälle.

• Bundesweite Schlagzeilen machte das Verschwinden der Kasselerin Elfriede H. Nach Angaben ihres Mannes sei sie während einer gemeinsamen Fahrt auf der Autobahn 4 aus dem Wohnmobil entführt worden. Osteuropäische Männer hätten seine Frau gekidnappt, sagte damals der Ehemann. Elfriede H. verschwand am 26. Mai 2000 und tauchte nie mehr auf. Trotz intensiver Fahndung konnte die Polizei den Fall nie aufklären. Ende letzten Jahres wurde Elfriede H. dann offiziell für tot erklärt.

• Nach Renate S., die 1979 aus Kassel verschwand, wird dagegen noch immer gefahndet. Bei ihr geht die Polizei von einem Verbrechen aus.

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• Nicht so bei einem 14 Jahre alten Jungen, der seit ein paar Tagen vermisst wird. Er hatte angekündigt, dass er verschwinden wird - zu Freunden nach Skandinavien. Gesucht wird nach ihm trotzdem.

• Und auch eine Frau, die seit 1997 vermisst wird - damals war sie 18 Jahre alt -, hatte nach Erkenntnissen der Polizei offenbar einfach die Nase voll von ihrer Familie.

• Mancher Vermisstenfall klärt sich schnell auf: So wurde der Polizei gemeldet, ein Mann sei plötzlich verschwunden. Die Polizei konnte sein Handy im Ausland orten und schickte ihm eine SMS. Er meldete sich sofort: Er habe einfach ins Ausland gewollt, um sich zu erholen - ohne Familie. Darum habe er niemanden informiert.

• Nicht aufgeklärt ist bis heute das Schicksal von Konrad B. aus Kassel, der jetzt 73 Jahre alt wäre. Er verschwand 1996 nachts aus der Wohnung, in der er gemeinsam mit seiner Frau lebte. Konrad B. war psychisch krank und hatte zuvor Freitodabsichten geäußert.

• Im März 1993 verschwand Anneliese E. aus Lohfelden. Sie hatte zuvor 77.000 Euro vom Konto abgehoben. Die Polizei erhielt Hinweise, dass sie sich im Ausland einer Sekte angeschlossen haben könnte. Ein Verbrechen an Anneliese E. ist nicht auszuschließen.

Wie und wann die Polizei nach einem Vermissten fahndet - dafür gibt es keine festen Regeln, sondern nur einen Handlungsrahmen. Wird ein Volljähriger als vermisst gemeldet, weil er vor zwei Stunden nicht zu einer Verabredung erschien, dann wird nicht sofort gesucht. „Bei Vermisstenfällen müssen wir eben Fingerspitzengefühl haben“, sagt Polizeisprecherin Sabine Knöll. Man schaue im Umfeld des Vermissten, ob er vielleicht bedroht worden war, ob sein Verschwinden wirklich außergewöhnlich ist oder ob etwa ältere Menschen möglicherweise verwirrt sind.

Generell gilt: Bei Minderjährigen schrillen sofort die Alarmglocken. Nach ihnen wird immer gesucht, denn es könnte ja auch ein Verbrechen geschehen sein.

Von Frank Thonicke

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