49-Jähriger verging sich an Nachbarskindern – Bewährungsstrafe

Kassel. „Warten Sie mal“, unterbricht der Angeklagte die Urteilsbegründung. „Bin ich jetzt im Gefängnis?“ Nein, erklärt ihm Richter Volker Mütze, die zweijährige Haftstrafe sei zur Bewährung ausgesetzt worden. Kein Knast also, solange nicht wieder etwas Schlimmes passiert.

Und solange sich der 49-Jährige an die Auflagen des Gerichts hält. Vor allem heißt das: kein Kontakt mehr zu Kindern. Denn was den bärtigen Mann an diesem Tag vor das Kasseler Landgericht gebracht hat, ist sexueller Missbrauch. Drei Nachbarskinder – zwei fünfjährige Mädchen, einen sechsjährigen Jungen – hat der Mann begrapscht. Einem der Mädchen hat er seinen Penis in den Mund gesteckt. Die Opfer waren so etwas wie seine Spielkameraden. Mit ihnen hat er seine Freizeit verbracht, wenn er nachmittags nach Hause kam - von seiner Arbeit in einer Behindertenwerkstätte.

„Intellektuelle Leistungsminderung“ bescheinigt ihm der psychiatrische Sachverständige Georg Stolpmann. Der 49-Jährige habe Probleme, mit Erwachsenen umzugehen, und halte sich deshalb lieber an Kinder. Die entsprächen eher seinem geistigen Niveau, da fühle er sich nicht so leicht überfordert.

Doch an zwei Tagen im Mai und Juni 2009 ging der Angeklagte dabei zu weit. Und das weiß er auch. Nur zugeben möchte er das lieber nicht. Trotzig starrt er zu Boden, will zunächst nicht einmal seinen Namen sagen: Weil er freiwillig nicht ins Gericht gekommen ist, musste ihn die Polizei bei der Arbeit abholen. Deshalb ist er sauer und schweigt.

Erst nach und nach taut er auf, lässt sich in Geplauder über unübersichtliche Supermärkte und das Programmieren von Videorecordern verstricken. Stolz erzählt er von den unzähligen abgepausten und ausgemalten Bildern aus Kindermalbüchern, mit denen er Decken und Wände seiner Wohnung tapeziert hat. Und dann spricht er plötzlich vom „Täter“ – und meint damit sich selbst.

„Ich habe Scheiße gemacht“, bekennt er und gesteht schließlich doch alles, was ihm vorgeworfen wird. Den kleinen Kindern erspart er damit die Qual einer Aussage im Gerichtssaal – und sich den Gang hinter Gitter. Selbst die Anwälte der Opfer halten am Ende eine Bewährungsstrafe für ausreichend.

Für eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie, da sind sich alle einig, ist der Mann nicht gefährlich genug. Weder vor noch nach jenen Vorfällen des Jahres 2009 hat er sich jemals etwas zuschulden kommen lassen. Treuherzig beteuert der 49-Jährige, dass es auch in Zukunft dabei bleibt. Mit eifrigem Nicken quittiert er die Belehrungen des Gerichts. „Wenn mich ein Kind anquatscht, gehe ich weg“, verkündet er.

Und auch Kekse oder Gummibärchen werde er nicht mehr an Kinder verschenken. „Die haben doch Eltern“, sagt er und unterbricht ein weiteres Mal die Urteilsbegründung. „Die können sich selber Süßigkeiten kaufen.“ (jft)

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