Kosmetikbranche und Parfümerien verdienen nicht mehr allein an Frauen

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Achtet auf sein Äußeres: Marc Grede ist Kunde beim Schönheitssalon „Freshnails“ in der Neuen Fahrt. Hier bedient ihn die Inhaberin Dagmar D’Angelo. 

Kassel. Noch haben viele Männer Berührungsängste vor Nagelpflege, Enthaarung und Herrenkosmetik, aber das Geschäft mit der Männerschönheit wächst. Das spürt auch die Kasseler Branche, die immer mehr männliche Kunden zählt.

Einer von ihnen ist Marc Grede. Der 39-jährige Kasseler arbeitet in der Textilbranche und hatte zunächst auch Hemmungen, in einen Schönheitssalon zu gehen. Inzwischen findet er: „Wenn ich mir die Männerfüße im Sommer anschaue, gibt es da Potenzial.“

Auf HNA-Nachfrage bezifferten Kasseler Kosmetikstudios und Parfümerien den Männeranteil ihrer Kunden zwischen 10 und 20 Prozent. Sie machten mit den Frauen zwar nach wie vor ihr Hauptgeschäft, aber die Umsätze im Männer-Segment würden langsam, aber stetig steigen.

Dagmar D’Angelo vom Schönheitssalon „Freshnails“ beobachtet diese Entwicklung seit etwa zehn Jahren. Ihr Kunde Marc Grede hatte den Weg zu ihr vor anderthalb Jahren über ein Plakat vor ihrem Geschäft gefunden. Darauf ist zu lesen: „Männer müssen nicht schön sein, aber können es.“ „Da habe ich mich angesprochen gefühlt und reingetraut“, sagt Grede.

Weil er in seinem Modegeschäft in der Öffentlichkeit stehe, lege er Wert auf einen gepflegten Auftritt. Wegbereiter in Sachen Männerschönheit sei der englische Fußballer David Beckham gewesen, der den metrosexuellen Männertyp verkörpere.

In den Kasseler Kosmetikstudios sind bei den Männern vor allem Rückenenthaarung, Fußpflege, Augenbrauenzupfen, Gesichtsreinigung und Anti-Aging-Cremes gefragt. Bei der Maniküre seien sie noch zurückhaltend. „Die Nagelpflege fand ich auch erst etwas eigenartig. Es darf nicht aussehen wie ein lackierter Damennagel“, sagt Grede. Deshalb bieten viele Studios matten Männerlack an.

Viele Männer würden nicht aus eigenem Antrieb den Weg zu ihr finden, sagt Triche Czechowski vom Kosmetikstudio Parkstraße. Es seien vor allem Ehemänner ihrer Kundinnen, die kämen. Heike Kreuzberg vom Kosmetikinstitut Hautkontakt schildert, dass der Trend in anderen Großstädten noch ausgeprägter sei als in Kassel. Dies habe sie bei Fachveranstaltungen erfahren.

Nicole Pannek von der Parfümerie Douglas an der Königsstraße erzählt, dass Männer inzwischen für 50 bis 60 Euro Cremes kauften: Sowohl Reinigungsprodukte als auch Anti-Aging-Seren. „Männer fragen öfter Augencremes nach. Da liegt die Problemzone des Mannes“, sagt Pannek.

Melanie Vollmer von der HC-Parfümerie in der Königs-Galerie verkaufte zuletzt häufiger Behandlungen mit Reinigung, Gesichtsmassage und Augenbrauenzupfen ans starke Geschlecht. Wenn es um die Haarentfernung geht, sagt D’Angelo von „Freshnails“, seien Männer die wehleidigeren Kunden.

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