Bei neuen Ampeln ersetzen Ost-Ampelmännchen die West-Symbole

Mann mit Hut hat gesiegt

Mehr Leuchtfläche, heller und vor allem sympathischer: Das Ost-Ampelmännchen (linkes Bild) schreitet im Gegensatz zu seinem westlichen Kollegen (rechtes Bild) bei Grün deutlicher voran und breitet bei Rot schützend die Arme aus. Das registrieren auch Kinder mit erhöhter Aufmerksamkeit. Fotos: Koch

Kassel. An 60 von 210 Fußgängerampeln in Kassel leuchtet mittlerweile ein Männchen mit Hut, im Volksmund „Ost-Ampelmännchen“ genannt, weil es eines der Kult-Relikte aus der ehemaligen DDR ist. Und es werden im Laufe der nächsten Jahre immer mehr werden. Wenn eine Ampelanlage erneuert oder ausgetauscht werden muss, werden die bisher vorherrschenden West-Ampelmännchen durch die etwas korpulenteren Kollegen aus Ostdeutschland ersetzt.

Genau diese Korpulenz ist einer der Gründe für den Siegeszug der Ost-Ampelmännchen. „Sie haben ein Drittel mehr Leuchtfläche, sind weithin sichtbar und auch bei Sonnenlicht besser zu erkennen“, sagt Bernd Noll, Leiter der Verkehrssteuerung beim Straßenverkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Kassel. Heller sind die Lichtzeichen auch, weil sie mit der kostengünstigeren Niedervolttechnik und stromsparenden LED-Leuchten ausgerüstet sind.

Außerdem schreitet das Ost-Männchen im Gegensatz zu seinem westlichen Kollegen bei Grün deutlicher voran und breitet bei Rot schützend die Arme aus, was wiederum bei Kindern für mehr Aufmerksamkeit und auch Sympathie sorgt.

„Die Resonanz in der Bevölkerung ist jedenfalls großartig“, sagt Noll. Oft würden seine Kollegen beim Austausch an einer Ampelanlage mit Worten wie „das ist aber toll, dass Sie das jetzt machen“ angesprochen.

2007 hat man in Kassel mit dem Anbringen der ersten Ost-Ampelmännchen begonnen. Im Laufe der nächsten zwölf Jahre werden sie an allen ampelbestückten Fußgängerüberwegen leuchten. Noll: „Wenn sie nicht früher kaputtgeht, muss eine Ampelanlage nach den Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) erneuert werden.“

Erfolgreich gerettet

Diese Richtlinien erlauben den Einsatz der Ost-Ampelmännchen erst seit 2005. Nach der Wende sollten nämlich ursprünglich die Fußgängerampeln im Osten denen in den alten Bundesländern angepasst werden. 1996 wurde in Berlin sogar ein Komitee zur Rettung des Ost-Ampelmännchens gegründet. Die Rettung des Hutträgers gelang. Er wurde zum Kultobjekt, das Tassen, T-Shirts und Taschen zierte.

Dass im Jahr 2022, wenn die letzte Ampel in Kassel umgerüstet ist, eine Westalgie-Welle mit Sehnsucht nach dem alten, etwas staksig daherschreitenden Männchen ausbricht, steht nicht zu befürchten.

Im Landkreis werden Ampeln nämlich weiterhin mit dem alten Symbol erneuert. „Für eine Änderung sehen wir aktuell keinen Grund“, sagt Reinhold Rehbein, Pressesprecher beim für den Landkreis zuständigen Amt für Straßen- und Verkehrswesen. (wd)

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