33-jähriger Mann aus Kassel angeklagt

Stalking und üble Nachrede: Frauen im Netz drangsaliert

Kassel. Wegen übler Nachrede im Internet, Stalkings, Beleidigung und Körperverletzung muss sich seit Montag ein 33-jähriger Kasseler vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. Die Anklage wirft ihm unter anderem vor, er habe drei junge Frauen mit falschen Nutzerinnenprofilen auf „Wer-kennt-Wen“ oder „Facebook“ verunglimpft.

Ihr Foto, die Telefonnummer, die Adresse, selbst ihre Arbeitsstelle sei dort veröffentlicht worden, berichtete eine 25-Jährige, die als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, dem Gericht. Das gefälschte Profil habe den Anschein erweckt, sie sei ständig auf der Suche nach neuen Sexpartnern.

Viele Menschen lasen das - viele sprachen sie darauf an. Im Internet habe sie 2011 auch den 33-jährigen Kasseler kennen gelernt, schilderte die junge Frau. Er habe vorgegeben, 25 Jahre alt zu sein. Man traf sich. „Verliebtheit war da“, so die junge Frau. Aber recht schnell habe sie sich auch „eingeengt gefühlt“. Der Kasseler habe genau wissen wollen, wann sie wo sei, wen sie treffe. Er selbst habe wenig über sich preisgegeben. Schließlich habe sie die „Notbremse gezogen“.

In der Folge soll der Angeklagte die Nebenklägerin per SMS und über Chats beleidigt und drangsaliert haben. Mehrfach habe sie Nachrichten erhalten, die behaupteten, der Angeklagte habe sich umgebracht. Eine davon wurde vor Gericht verlesen: „Du hast einen Menschen auf dem Gewissen. Ziel erreicht.“ Als sie schließlich auch noch am eigenen Hauseingang an den Hals gepackt, geschlagen und in die Rippen gestoßen worden sei, habe sie sich nicht mehr getraut, in ihrer Wohnung zu bleiben, sagte die Nebenklägerin. Sie sei sicher, im Angreifer den Angeklagten erkannt zu haben.

Der aber bestritt am Montag jede körperliche Auseinandersetzung. Auf seinem Rechner wurden Spuren ausgehender Chat-Beiträge gefunden, in denen es heißt, die Nebenklägerin habe „aufs Maul bekommen - schon gehört?“. Wie die dort hinkämen, wisse er nicht, versicherte der 33-Jährige. Er habe nichts dergleichen gechattet.

Er stecke auch nicht hinter zwei Namen, die die Selbstmordnachrichten verbreitet hatten. Das eine sei eine Frau, der er nur im Netz begegnet sei. Das andere ein Bekannter, der nicht mehr in Kassel wohne und dessen Nachnamen er nicht kenne.

Auch mit den falschen Internetprofilen will der 33-Jährige nichts zu tun haben. Wie er sich erkläre, dass gleich drei Frauen ihn als Urheber im Verdacht haben, wollte Richter Matthias Grund wissen. „Das ist nicht mein Stil“, war die Antwort. „Das ist ein faules Ei, das mir hier ins Nest gelegt werden soll“, sagte der Angeklagte. Eine Absprache sei möglich.

Zwei weitere Prozesstage sind angesetzt.

Von Katja Schmidt

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