Kasseler muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten

Mann kaufte neun iPhones auf Pump: Verurteilt wegen Betrug

Werden Technik-Märkte und finanzierende Bank stutzig, wenn ein Mann innerhalb von drei Wochen neun iPhones 5s für 6000 Euro auf Ratenkreditbasis kauft? Nein, werden sie nicht.

Erst beim vierten Versuch klappte es nicht, weil das Konto des 25-jährigen Berufsschülers da überzogen war.

Wegen Betrugs stand der gebürtige Kasseler am Dienstag vor dem Amtsgericht. Dort stieß der bislang unbescholtene junge Mann auf eine milde gestimmte Richterin Sabrina Müller-Krohe, die das Verfahren gegen die Auflage von 150 gemeinnützigen Arbeitsstunden einstellte und dem Angeklagten damit einen Eintrag ins Vorstrafenregister ersparte.

Nicht aber eine kopfschüttelnde Frage: „Wie naiv kann man eigentlich sein? Welpenschutz gibt es nach dem 21. Geburtstag nicht mehr“, sagte die Richterin, legte aber gleichwohl angesichts der Unbedarftheit des Angeklagten Jugendstrafrecht an.

Der 25-Jährige war im April vergangenen Jahres von einem ein Jahr älteren Mann gebeten worden, die Handys bei Media-Markt in Kassel und Saturn in Baunatal zu kaufen. Das tat er auch, gab die insgesamt 6000 Euro teuren Han-dys gleich an den Hehler weiter und erhielt dafür 600 Euro. Der gesondert verfolgte Hehler unterschrieb sogar eine Einverständnis-Erklärung, die Raten für die Verträge weiter zu bedienen, was natürlich nicht geschah.

Dieses „Geschäftsmodell“, so Verteidiger Knuth Pfeiffer, wurde von dem Hehler offenbar auch mit zahlreichen anderen Einkäufern durchgezogen. Dem Angeklagten kam zwei Wochen nach dem vierten, erfolglosen Kaufversuch der Verdacht, dass bei der ganzen Sache etwas nicht stimmen könnte. Er erstattete Selbstanzeige bei der Polizei.

Seither zahlt er die Kredite mit 180-Euro-Monatsraten zurück - bei einem Einkommen von 350 Euro. „Ich hatte nie eine Betrugsabsicht, ich wollte niemandem schaden“, beteuerte er und hofft, jetzt wieder mit der Berufsjugendhilfe und einer Ausbildung den Weg zurück in die Spur eines straffreien Lebens zu finden.

Verteidiger Knuth Pfeiffer hielt mit Kritik an den Verkaufspraktiken der Technik-Märkte nicht hinterm Berg. Die setzten sich in ihrem Streben nach Profit über jede Mindestabsicherung hinweg. So seien die Angaben seines damals arbeitslosen Mandanten, er habe eine Arbeit und ein Einkommen, völlig ungeprüft übernommen worden. Pfeiffer: „Spätestens nach dem zweiten Kauf von drei Handys in einem Markt hätte doch von Markt oder Targo-Bank die Basis der Kreditbedingungen überprüft werden müssen.“

Staatsanwalt Werner erinnerte daran, dass der Angeklagte beim Kauf der Handys über seine wahren Einkommensverhältnisse gelogen habe. Deshalb müsse ihm mit 150 Arbeitsstunden das Strafwürdige seines Tuns schmerzhaft gezeigt werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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