Der neue Kreistagsvorsitzende Andreas Güttler wirbt für überparteilichen Konsens im Parlament

Ein Mann mit langem Atem

Sportlich: Der neue Kreistagsvorsitzende Andreas Güttler zeigt seine Laufschuhe. Mit ihnen läuft er einmal im Jahr mit Freunden eine Staffel beim Marathon. Foto: Herzog

Kreis Kassel. Er läuft jedes Jahr eine Staffel beim Marathon, war mehr als 30 Jahre als Judoka aktiv und hilft auch heute noch mit 47 Jahren ab und an bei den Handballern der zweiten Mannschaft Espenaus aus. Doch das Wort Kämpfertyp hört der neue Kreistagsvorsitzende Andreas Güttler trotzdem nicht so gern. Kombiniert man es aber mit dem Begriff Kompromissbereitschaft, kommt man dem Naturell des Sozialdemokraten schon eher nahe.

Jüngster Kämmerer im Kreis

„Zielorientiert“ – dieses Wort fällt öfter im Gespräch mit Andreas Güttler. Das gilt bei ihm nicht nur für die praktische Politik, sondern auch für seinen persönlichen Werdegang. Nach seiner Ausbildung zum Verwaltungangestellten wurde er mit 23 Jahren jüngster Kämmerer im Landkreis und wachte über die Finanzen in Immenhausen. Mit 35 beerbte Güttler dort Bürgermeister Adolf Deichmann.

Auf den Posten des Verwaltungschefs kam er aber eher wider Willen. „Wir saßen in einer Runde zusammen und beratschlagten über den Nachfolger, bis alle mich anguckten. Dann habe ich es halt gemacht“, erinnert er sich. Und das nicht schlecht. Mit 97 Prozent der Stimmen wurde Andreas Güttler 2005 wiedergewählt. Heute ist er seit eineinhalb Jahren Geschäftsführer des Zweckverbandes Raum Kassel. Aber es gab auch Rückschläge für den Kämpfer Güttler. Lange galt er im Landkreis als heißer Anwärter auf den Posten des Vize-Landrats, musste am Ende aber Susanne Selbert den Vortritt lassen.

Gehandelt wurde er 2008 auch als SPD-Landratskandidat in Waldeck-Frankenberg, kam aber auch dort nicht zum Zug. Wahlen im Landkreis waren für den bekennenden Christen dagegen Heimspiele. Zugute kam ihm dabei, dass er kein Zugereister, sondern gebürtiger Immenhäuser ist. „Als eine der letzten Hausgeburten“, sagt er schmunzelnd. Bei der Kreistagswahl vom 27. März hoben ihn die Wähler denn auch vom 13. auf den 5. Listenplatz.

Aus dem Glauben - sein Vater war Jahrzehnte im Kirchenvorstand tätig - mag auch seine soziale Komponente stammen. Chancengleichheit und Solidarität sind „für mich zwei wichtige Werte“, die Güttler schon 1983 in die SPD eintreten ließen.

Als Familienvater, er hat eine erwachsene Tochter und zwei kleine Söhne - liegt ihm politisch besonders die Zukunft der Freizeiteinrichtungen Sensenstein und Sababurg am Herzen. Als Kreistagsvorsitzender ist ihm klar, dass die „Arbeit nach der Wahl mit acht Gruppierungen nicht einfacher“ werden wird. Dabei ist ihm der „überparteiliche Konsens“ wichtig. Den dafür ab und an notwendigen langen Atem dürfte Andreas Güttler als Staffelläufer beim Marathon ja haben.

Von Stefan Wewetzer

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