Angeklagter warf mit Gebetskette

Mann wegen Vergewaltigung und Raub erneut in Kassel vor Gericht

Kassel. Wegen Vergewaltigung, Raub und vorsätzlicher Körperverletzung war der 22-jährige Serhat A. (Name v. d. Red. geändert) vor zwei Jahren in erster Instanz zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Nachdem die Staatsanwaltschaft, die damals eine Jugendstrafe von acht Jahren forderte, Revision einlegte, hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf, auch, weil es Rechtsfehler bei der Verurteilung wegen Raubes sah. Seit Dienstag wird das Verfahren noch einmal aufgerollt, die Anklage wurde um gefährliche Körperverletzung und Beleidigung erweitert.

In der Hauptverhandlung im Juli 2012 soll Serhat A. nach dem Plädoyer aufgesprungen, den Staatsanwalt beleidigt und ihm eine Gebetskette an den Kopf geworfen haben. „Ich stech‘ Dich ab“, mit diesen Worten soll er in der JVA Weiterstadt einen Justizbediensteten bedroht haben. Nach der Verlegung in die JVA Kassel im Juli 2012 habe er einem Justizvollzugsbeamten mit der Faust ins Gesicht geschlagen, so dass dieser einen Jochbeinbruch erlitt.

„Ich hab’s nicht getan. Ich war das mit der Vergewaltigung nicht“, sagte er gegenüber dem mit drei Richtern und zwei Schöffen besetzten 6. Strafkammer des Landgerichts Kassel. Erst gestand er die Vergewaltigung, dann stritt er die Tat ab, später räumte er sie wieder ein.

Der Angeklagte, der sich eine Kapuze aufgesetzt und einen Schal um den Kopf geschlungen hatte, betonte, dass er sehr krank sei und in die JVA Butzbach verlegt werden möchte. Im Laufe der Verhandlung und Zeugenvernehmung ergriff er ungefragt das Wort, behauptete, an Ebola erkrankt zu sein, telepathische Kräfte zu haben und nicht in der JVA Kassel bleiben zu können. „Es gibt Leute, die mich töten wollen“, sagte der Angeklagte türkischer Herkunft, der angab, Kurde zu sein. Serhat A. meinte, dass er in einer Einrichtung für psychisch Kranke besser aufgehoben sei als in einer Justizvollzugsanstalt.

Teilweise nicht öffentlich

Mit Blick auf Persönlichkeitsschutz erklärte Richter Volker Mütze gestern während der Vernehmung des Vergewaltigungsopfers die Verhandlung für die Dauer von eineinhalb Stunden für nicht öffentlich. Am ersten der für vier Tage anberaumten Verhandlung wurde unter anderem der Streifenpolizist als Zeuge geladen, der das Vergewaltigungsopfer am 11. September 2010 in einem Mehrfamilienhaus in der Frankfurter Straße verstört und eingeschüchtert vorfand.

Anhand von DNA-Spuren konnte der Angeklagte damals dingfest gemacht werden, hieß es.

Das Urteil wird für Donnerstag, 6. November, erwartet. (zal)

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