Exhibitionist beging Straftaten an Kasseler Tram-Haltestelle

Mann zeigte Kindern sein erigiertes Glied: Haft auf Bewährung

Kassel. Seit 30 Jahren gibt der unscheinbare Mann auf der Anklagebank immer wieder seiner sexuellen Neigung nach, sich vor anderen - bevorzugt jungen Mädchen - zu entblößen. Bisher gab es dafür nur Geldstrafen.

Diesmal ist der 51-Jährige nur ganz knapp an einem Gefängnisaufenthalt vorbeigekommen: Das Amtsgericht verurteilte ihn gestern zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss er 300 Euro an den Kinderschutzbund Kassel zahlen.

Verhandelt wurden von Amtsgerichts-Präsident Wolf Winter sechs exhibitionistische Straftaten, die sich im September 2013 an der Tram-Haltestelle vor dem Rot-Kreuz-Krankenhaus an der Wilhelmshöher Allee ereigneten und gestern von zwei Kripo-Beamten geschildert wurden.

Die Wohnung des Angeklagten liegt im 2. Stock eines Wohnhauses bei der Haltestelle, an der besonders zur Mittagszeit viele Heinrich-Schütz-Schüler auf die Straßenbahn warten.

Mindestens sechs Mal stieg der Mann damals nackt auf einen Stuhl am Küchenfenster und präsentierte den Kindern an der Haltestelle seinen erigierten Penis.

„Iih, das ist eklig, da zeigt einer seinen Pimmel“, zitierte ein Kripo-Beamter gestern die Reaktion eines Jungen. Ekel und Erschrecken, mitunter aber auch Angst und die Sorge, der Mann könnte auf die Straße kommen und noch andere, schlimmere Dinge tun, seien die häufigsten Reaktionen der Kinder gewesen, stellte auch Staatsanwältin Gros in ihrer Anklage fest.

„Ich habe halt kein Problem mit Nacktheit“, versuchte der Angeklagte sein Tun herunterzuspielen. Auch vom Fensterputzen war die Rede.

Richter Winter, der dem Angeklagten mit gewissem Verständnis begegnete, ließ ihm das nicht durchgehen: „Das ist kein Zufall, dass Sie am Fenster standen. Es ist zunächst mal nicht strafbar, sich nackt zu zeigen, aber nicht aus dem 2. Stock eines Wohnhauses und vor Kindern.“

Winter verwies auch auf einen Vorfall im Jahr 2005. Damals hatte sich der Angeklagte in der Tram nach Baunatal zwei jungen Mädchen direkt gegenüber gesetzt, seinen Penis herausgeholt und onaniert. Bei allen Taten war der in Gera geborene Mann, der eine Erwerbsunfähigkeits-Rente bezieht und die Wohnung mit seiner früheren Verlobten teilt, stark alkoholisiert. Bis zu 3,5 Promille waren gemessen worden.

Ein Facharzt für Psychiatrie hatte allerdings in seinem Gutachten volle Steuerungsfähigkeit und ungetrübte Einsichtfähigkeit in das Strafbare seines Tuns attestiert.

Die Bewährungsstrafe nannte Winter einen „letzten Ansporn“ zur künftigen Straffreiheit. Als nächstes käme das Gefängnis. Der Angeklagte versprach: „Ich arbeite an mir. Es wird nicht mehr vorkommen, es tut mir leid."

Von Thomas Stier

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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