Festgenommene KSV-Anhänger wieder auf freiem Fuß

Kassel. Die befürchteten Fan-Krawalle beim Fußball-Regionalligaspiel zwischen dem KSV Hessen Kassel und dem SV Waldhof Mannheim sind ausgeblieben. Dennoch gab es einige Festnahmen. In der Nacht kamen die Männer wieder auf freien Fuß.

Ein großes Polizeiaufgebot mit mehreren hundert Beamten behielt die Lage am Auestadion am Samstag unter Kontrolle.

Artikel aktualisiert um 9.40 Uhr

Wie Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch gegenüber der HNA erklärte, kam es weder vor, noch nach dem Spiel zu Gewaltausbrüchen zwischen den beiden Lagern. Auch auf der An- und Abreise der Gäste habe es keine größeren Zwischenfällen gegeben.

Lediglich nach dem 3:0-Erfolg ihrer Mannschaft hätten Kassel-Fans die Konfrontation mit der Polizei gesucht. Die alkoholisierten Fans trafen sich vor der Gaststätte „Zum Rauchfang“, zündeten Bengalisches Feuer und liefen immer wieder auf die Frankfurter Straße. Die Polizei sperrte deshalb mehrfach den Verkehr.

Drei Männer aus Kassel im Alter von 20, 25 und 34 Jahren wurden vorläufig festgenommen und ins Polizeigewahrsam gebracht. Gegen sie wird wegen Körperverletzungsdelikten und Beleidigung ermittelt.

Um kurz nach 17 Uhr zog eine etwa 40 Personen starke Gruppe der Fans in Richtung Innenstadt. Um mögliche Sachbeschädigungen zu verhindern, wurden sie durch Polizeikräfte begleitet. Am Scheidemannplatz suchten rund zwei Dutzend dieser sogenannten Fans erneut die Konfrontation mit der Polizei, die daraufhin etwa 20 Personen in Gewahrsam nahm. Sie wurden am späten Abend wieder frei gelassen.

Die Mannheim-Fans wurden vor dem Spiel von der Polizei am Hauptbahnhof abgeholt.

Mindestens zwei Personen wurden leicht verletzt und mussten vom Rettungsdienst vor Ort behandelt werden. Polizeibeamte wurden nicht verletzt. „Diese Vorfälle sind umso bedauerlicher, weil wir vor und während des Spieles mit beiden Fanlagern eigentlich keine größeren Probleme hatten“, sagte Polizeidirektor Uwe Papenfuß am späten Samstagnachmittag. „Vermutlich haben wir diesen Kasseler Fans durch unsere Taktik einen Strich durch die Rechnung gemacht und sie haben sich mangels gegnerischer Fans die Polizei als Ziel ihrer Aggressionen ausgesucht“, nennt der Einsatzleiter der Polizei einen möglichen Grund. „Für ein solches Fanverhalten kann man keinerlei Verständnis mehr aufbringen“, so der Polizeidirektor.

Auch während des Spiels gab es lediglich aus dem Kasseler Fanblock unerfreuliche Szenen: Kurz nach Anpfiff um 14 Uhr wurden mehrere Bengalische Feuer in der Nordkurve abgebrannt. Wie Polizeisprecher Jungnitsch mitteilte, musste ein 25-jähriger Kasseler ambulant im Krankenhaus behandelt werden: Der Rauch hatte bei dem Asthmatiker einen Anfall ausgelöst.

Fotos: KSV besiegt Mannheim

KSV besiegt Mannheim

Ob auf den KSV wegen der verbotenen Feuerwerksartikel eine Geldstrafe zukommt, war nach dem Spiel unklar. Der Deutsche Fußball-Bund geht derzeit verstärkt gegen derartige Verstöße in den Stadien vor. Der DFB hatte die Partie nach Ausschreitungen beim vorherigen Aufeinandertreffen von KSV und Waldhof Mannheim im August 2008 als Risikospiel eingestuft.

Anzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz

Ein 23 Jahre alter KSV-Fan, der als gewaltbereit bekannt und in Erscheinung getreten ist, verbrachte die Zeit des Spiels im Polizeigewahrsam. Er war noch vor Beginn der Partie in Stadionnähe vermummt angetroffen und überprüft worden. Gegen ihn wurde eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz vorgelegt. Nach Spielende kam er wieder auf freien Fuß.

Etwas mehr Glück hatte ein Mannheimer Anhänger, der ebenfalls vor dem Spiel den Einsatzkräften durch eine Vermummung auffiel. Da der 20-Jährige bislang aber nicht als gewaltbereiter Fans in Erscheinung getreten war, ließen es die Beamten mit einer Warnung bewenden. Eine Anzeige wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen des Versammlungsgesetzes erhält aber auch er. „Es wird ihm hoffentlich eine Lehre sein“, sagte Einsatzleiter Papenfuß. Weil er sich einsichtig zeigte, durfte er nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen mit ins Stadion.

300 Mannheim Fans angereist

Statt der erwarteten 4000 bis 4500 Zuschauer waren lediglich 3400 Besucher ins Auestadion gekommen. Auf der Südtribüne standen 300 Mannheim-Fans, von denen die Polizei 180 als grundsätzlich gewaltbereite Risikofans aus der Hooligan- und Ultraszene einstufte. Nicht alle stammten aus Mannheim: Auch 20 Frankfurter und 40 Braunschweiger waren nach Kassel gereist.

Polizeidirektor Uwe Papenfuß hatte vor der Partie angekündigt, die Fans konsequent voneinander fernzuhalten. „Dieses Konzept ist sehr gut aufgegangen“, fasste Jungnitsch eine Stunde nach Spielschluss zusammen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gästefans bereits ohne Zwischenfälle am Bahnhof in ihre Züge gestiegen.

Bereits auf der Anreise mit der Regionalbahn hatte die Bundespolizei zwei Mannheimer Fans wieder nach Hause geschickt. Sie sind mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt. Vom Hauptbahnhof hatte die KVG die übrigen 60 Fans mit zwei Bussen zum Stadion transportiert - streng bewacht von der Polizei.

Die übrigen Fans der Gästemannschaft sind mit mehreren Bussen und eigenen Autos angereist. Wie Polizeisprecher Jungnitsch erklärte, war lediglich ein Mannheimer Fan vermummt. Da er bisher nicht in Erscheinung getreten sei, durfte auch er das Stadion betreten. Ihn erwartet eine Strafanzeige. (mcj/tat)

Rubriklistenbild: © Fischer

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