Marienkäfer werden zur Plage - Biologe rät, Insekten zu ignorieren

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Nicht gefährlich, aber lästig: Marienkäfer belagern seit Wochen wieder Fenster und Türen – auch in Kassel. Sie suchen einen warmen Platz zum Überwintern. Foto:  dpa

Kassel. Eigentlich gilt der Marienkäfer als Glücksbringer. Wenn allerdings Scharen der gepunkteten Krabbler mit Fenster, Türen, Ritze, gar ganze Räume belagern, dann machen diese Insekten nicht mehr glücklich. So mancher Kasseler fühlt sich vielmehr seit Wochen von den Käfern belästigt.

Seit Jahren kommt es immer wieder vor, dass Marienkäfer, einheimische und asiatische, im Herbst Unterschlupf in Stadtwohnungen suchen, um überwintern zu können.

Prof. Rüdiger Wagner, Insektenkundler an der Universität Kassel, rät dazu, die Schwärme einfach zu ignorieren. „Das ist eigentlich etwas ganz Normales“, sagt der Biologe. Die Menschen sollten sich über viele Marienkäfer freuen. „Sie sind die besten biologischen Schädlingsbekämpfer gegen Blattläuse“, sagt Wagner über die kleinen, roten Helfer. „Die Marienkäfer beißen nicht und sie übertragen keine Krankheiten.“

Zudem gelten sie als Himmelsboten der Mutter Gottes. Marienkäfer sollen Kinder beschützen und Kranke heilen, wenn sie ihnen zufliegen. Man darf ihn jedoch niemals abschütteln oder gar töten, weil man sonst das Unglück anzieht, so der Aberglaube.

Rüdiger Wagner

Dass in diesem Herbst wieder besonders viele Exemplare dieser Glücksbringer an Fassaden und in Fenstern zu sehen sind, führt Wagner auch auf die warme Witterung im Frühjahr zurück. Die Trockenheit habe zu einer gewissen Anfälligkeit bei den Pflanzen geführt, sagt Wagner. Dadurch habe es in diesem Jahr besonders viele Blattläuse, die Nahrung der Marienkäfer, gegeben. Viele Blattläuse haben viele Marienkäfer, die am Ende einer Nahrungskette stehen, zur Folge.

Naturwissenschaftler Wagner kann auch nicht ausschließen, dass die globale Erwärmung zu der wachsenden Population der Marienkäfer beiträgt. „Das ist eine Gemengelage von Faktoren.“ Der Biologe rät dazu, die Marienkäfer zu nicht vergiften. „Damit tut sich der Mensch eher selbst weh, weil er das Gift ebenfalls einatmet.“

Laut Wagner treten nicht nur asiatische Marienkäfer derzeit verstärkt auf. „Den Marienkäfer gibt es nicht“, sagt Wagner mit Blick auf die vielen unterschiedlichen Sorten. Es gebe allerdings Tendenzen, dass der asiatische Marienkäfer die europäischen Verwandten aus dem Lebensraum verdränge. Ob nun asiatisch oder europäisch: Marienkäfer überwintern gern in Gruppen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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