Marienkrankenhaus geht konsequent gegen Klinik-Keim vor

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Gefürchtete Keime: MRSA wird in deutschen Labors immer häufiger nachgewiesen. Allerdings auch deshalb, weil verstärkt nach den multiresistenten Erregern gesucht wird.

Kassel. Wer nach multiresistenten Keimen sucht, der findet. Oft genug auch bei Patienten, bei denen man es gar nicht erwartet hätte.

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Gerade wenn man Patienten vor geplanten Operationen auf MRSA untersucht, falle auf, dass auch junge Menschen betroffen sind, sagt die Hygienefachkraft des Kasseler Marienkrankenhauses, Ruth Dallig. Mitunter seien dies Menschen, die zum Beispiel in einem Krankenhaus gearbeitet oder die Antibiotika eingenommen haben.

Dass bei solchen Patienten in dem Allgemeinkrankenhaus überhaupt nach MRSA gesucht wird, liegt auch daran, dass man hier die Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Eingrenzung von MRSA-Risikopatienten wesentlich erweitert hat. So wird hier heute bei der Hälfte aller aufgenommenen Patienten ein Nasenabstrich gemacht. Ein Schnelltest weist dabei kurzfristig MRSA-Keime nach.

Findet man die multiresistenten Bakterien vor einem geplanten Eingriff, so bekommt der Patient ein Produktpaket und viele Informationen mit nach Hause, um die Keime innerhalb von etwa fünf Tagen mithilfe von Waschlotionen, Gurgel-Lösungen und Nasensalben wieder loszuwerden. Denn würden diese bei einer Operation in den Körper gelangen, könnte es zu einer Blutvergiftung, einer Lungenentzündung oder einer chronischen nicht heilenden Wunde kommen.

Ruth Dallig

Bei stationären Patienten werde diese Behandlung unter strengsten Hygieneauflagen im Krankenhaus gemacht, erläutert die Expertin.

Dieser Kampf gegen MRSA sei aufwendig und teuer, sagt sie. Aber an oberster Stelle stehe die Sicherheit des Patienten und natürlich auch des Personals. So habe man zwar die im Krankenhaus erworbenen MRSA-Infektionen drastisch gesenkt. Doch dass man bei 5,75 Prozent der auf MRSA untersuchten Patienten fündig werde, sei eine erheblich hohe Zahl. Diese sei ohnehin rapide nach oben gegangen, seitdem man verstärkt danach suche.

Übrigens sieht Ruth Dallig auch Darmbakterien, die gegen bestimmte Antibiotika resistent sind (ESBL), auf dem Vormarsch – eine weitere Baustelle für das MRE-Netzwerk, das die gemeinsamen intensiven Bemühungen weiter verstärken soll.

Wie das Kasseler Krankenhaus mit dem Problemkeim umgeht, zeigt auch ein neuer Film, den die B. Braun Melsungen AG zu diesem Thema produziert hat und der gestern Abend im Kasseler Bali-Kino vorgestellt wurde. Er wird in Kürze unter www.bbraun.de im Internet herunterzuladen sein.

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