Kaum drin, schon dran

Marienkrankenhaus Kassel will Wartezeiten von mehr als einer halben Stunde vermeiden

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Total zufrieden: Patient Dieter Sadlowski aus Ahnatal musste im Marienkrankenhaus Kassel nur kurze Zeit warten, dann waren seine Voruntersuchungen für eine Operation erledigt: „Eine tolle Sache.“

Kassel. Im Marienkrankenhaus sollen Patienten weniger warten. Ziel des neuen Pflegedirektors Peter Wieddekind ist es, Wartezeiten von mehr als einer halben Stunde zu vermeiden.

Das katholische Krankenhaus an der Marburger Straße auf dem Rothenberg ist eine der wenigen Kliniken in Hessen, in denen Ärzte, Krankenpflege, Klinikverwaltung und Sozialdienst besonders eng zusammenarbeiten. „Patientenbegleitung aus einer Hand“, nennt das der neue Pflegedirektor Peter Wieddekind.

Er war bisher Leiter der Patientenkoordination und verantwortet nun zudem die Pflege. Sein Job ist es, Arbeitsabläufe besser zu koordinieren, um Wartezeiten zu verkürzen. Das ist nicht einfach, weil sich Ärzte ungern von der Verwaltung oder der Pflege reinreden lassen. „Einer muss den Hut aufhaben, dann klappt es“, sagt Wieddekind.

Voruntersuchung für die Narkose: Anästhesistin Katrin Dieterle setzt bei Dieter Sadlowski das Stethoskop an.

Dass es im Marienkrankenhaus klappt, findet auch Dieter Sadlowski aus Ahnatal. Er ist morgens in die Klinik bestellt, um Untersuchungen und Gespräche zur Vorbereitung auf eine Operation zu absolvieren. „Ich habe mich auf eine lange Zeit eingestellt“, sagt der Patient. Doch kaum war er drin im Krankenhaus, war er auch schon dran. Termine bei Narkoseärztin, Verwaltung, Chirurg – nach eineinhalb Stunden ist alles erledigt.

„Eine tolle Sache“, findet Sadlowski, „ich bin total zufrieden.“ Gut findet er auch die Pager. Das sind kleine elektronische Geräte, die man auch aus Selbstbedienungsrestaurants kennt, wenn das Essen fertig ist und abgeholt werden kann.

Technik erlaubt Bewegung im Marienkrankenhaus

Statt bis zum Aufruf auf einem Sitzplatz auszuharren, können sich die wartenden Patienten mit dem Pager im Klinikareal frei bewegen, frische Luft schnappen oder sich in der Cafeteria stärken. Wird der Pager ausgelöst, vibriert und zeigt rotes Blinklicht, geht der Patient zur Information und erfährt, wo es für ihn nun weitergeht.

Aufnahmegespräch: Auch der Verwaltungs-Teil mit Kübra Kinis war für Dieter Sadlowski rasch erledigt, die Wartezeit nur gering.

Der Pager ist nur eine der vielen Ideen des Pflegedirektors. „Wir informieren uns gegenseitig“, sagt Wieddekind. Dazu gehört, wichtige Informationen zum Patienten zur richtigen Zeit von den richtigen Leuten abfragen zu lassen. „Das erspart unseren Patienten, dass sie 35-mal das Gleiche gefragt werden.“

Auch der Sozialdienst ist von Anfang an mit eingebunden und wird nicht erst kurz vor der Entlassung aktiv. So kann eine Rehabilitation oder eine zeitweise Pflegedienst-Unterstützung des Patienten zu Hause frühzeitig geplant werden. Damit stieg freilich die Arbeitsbelastung des Sozialdienstes. „Ich musste weiteres Personal einstellen“, sagt Wieddekind.

Wartezeit nutzen: Übungen für Haltestelle und Wartezimmer

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Im Marienkrankenhaus soll es nicht mehr passieren, dass ein Patient zu vorstationären Untersuchungen um 9 Uhr einbestellt wird und dann drei Stunden warten muss. „Das führt zur Verärgerung“, weiß Michael Schmidt, Geschäftsführer des Marienkrankenhauses.

Aufnahmegespräch: Auch der Verwaltungs-Teil mit Kübra Kinis war für Dieter Sadlowski rasch erledigt, die Wartezeit nur gering.

Ziel sei es, Wartezeiten von mehr als einer halben Stunde zu vermeiden. „Nach der überwiegenden Mehrzahl der Rückmeldungen, die wir von Patienten bekommen, können wir diese Vorgabe auch einhalten“, freut sich Schmidt. „Positiv überrascht“ ist auch Narkoseärztin Katrin Dieterle. Sie kam im vergangenen November von Hamburg ins Marienkrankenhaus und hat das Patientenmanagement „noch nie so gut organisiert gesehen“. Selbst an vollen Tagen seien die Wartezeiten relativ kurz „und die Patienten sind sehr zufrieden.“

Wieddekind hat oft Besuch aus anderen Kliniken von Kollegen, „die sich schlaumachen wollen“, wie Patienten-Wartezeiten verkürzt werden können.

Marienkrankenhaus wurde 1913 eröffnet

Das 1913 eröffnete Marienkrankenhaus auf dem Rothenberg geht auf den Unternehmer Peter Wegmann zurück, der 1882 in Rothenditmold eine Waggonfabrik gründete und 1902 drei Schwestern aus dem Haus der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Fulda eines seiner Häuser auf dem Rothenberg zur Verfügung stellte, um erkrankte Arbeiter und deren Familien zu versorgen. Die Klinik hat heute 200 Betten. Mit den Vinzentinerinnen sorgen sich insgesamt 400 Mitarbeiter – davon mehr als 60 Ärzte – um das Wohl von jährlich 11.000 stationären Patienten. Hinzu kommen mehrere tausend Patienten, die ambulant versorgt werden. 

Die medizinischen Schwerpunkte sind Innere Medizin, Chirurgie, Neurochirurgie, Schlaflabor, Anästhesie und Operative Intensivmedizin, Radiologie und Physikalische Therapie. Es gibt das Adipositaszentrum Nordhessen für die Behandlung von krankhaftem Übergewicht und ein bundesweit anerkanntes Hernienzentrum zur Behandlung von Leistenbrüchen und anderen Schwachstellen der Bauchwand.

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