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Markthallen-Händler: Kunden sollten Preise vergleichen

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Von: Axel Schwarz

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Spürbare Kaufzurückhaltung in der Krise: Timo Opfermann vom Obst- und Gemüsestand „Jana und Timo“ (mit Mitarbeiterin Gudrun Bake) bietet bestimmte Bio-Waren aus eigener Ernte günstiger als Supermärkte an.
Spürbare Kaufzurückhaltung in der Krise: Timo Opfermann vom Obst- und Gemüsestand „Jana und Timo“ (mit Mitarbeiterin Gudrun Bake) bietet bestimmte Bio-Waren aus eigener Ernte günstiger als Supermärkte an. © Axel Schwarz

In Kassels Markthalle sind die Kunden zuletzt weniger geworden. Liegt das daran, dass viele in der Krise bei Lebensmitteln sparen und eher bei Discountern einkaufen? Markthändler raten zum konkreten Preisvergleich.

Kassel – Weil das Leben insgesamt teurer wird, schauen sich viele nach günstigeren Einkaufsmöglichkeiten um. Der Trend gehe weg vom Biomarkt und hin zum Discounter, ist derzeit häufig in den Medien zu vernehmen. Sorgen bereitet das den Händlern in Kassels Markthalle, wo die Kunden zuletzt spürbar weniger geworden sind.

Zu Unrecht würden Konsumenten vermuten, ein Markthallen-Einkauf sei im Vergleich zum konventionellen Lebensmittelhandel kostspielig. Der Markt halte preislich vielleicht nicht mit Discountern, wohl aber mit Supermarktketten wie Rewe, Tegut und Edeka mit. Und das auch beim Bio-Sortiment: „Wir haben praktisch dieselben Preise wie letztes und vorletztes Jahr“, sagt Obst- und Gemüseanbieter Timo Opfermann. „Dabei müssten wir eigentlich 20 Prozent aufschlagen“, um die gestiegenen Kosten für Erzeuger aufzufangen.

Produkte aus eigener Ernte könne er „in der Regel sogar günstiger“ anbieten als der Supermarkt seines Wohnorts, sagt Opfermann. Dennoch sei der Umsatz an seinem Bio-Stand zuletzt deutlich zurückgegangen. „Die Leute sollten die Preise einmal konkret vergleichen“, rät Metzger Axel Kramer.

An seinem Stand im Untergeschoss seien die Umsätze zwar nur „minimal rückläufig“, die Kosten für landwirtschaftliche Fleischproduzenten aber immens gestiegen. Kramer: „Das müssen wir zu einem gewissen Teil auch umlegen.“ Dennoch seien die Produkte der Traditionsmetzgerei „kaum teurer“ als in Supermärkten, wo laut Marktleiterin Juliane Rübner die Preise „quer durchs Sortiment“ im zweistelligen Prozentbereich gestiegen seien.

Wenn gespart werden soll, rücke hierzulande stets mit als Erstes das Ernährungs-Budget in den Blick, sagt Rübner. Das sei nicht zwingend, wenn man sich europäische Nachbarländer anschaue. Bei Metzger Kramer stellt sich das so dar, dass von teuren Fleischwaren wie Rinderfilet und Rumpsteak eher Abstand genommen und vermehrt etwa zur günstigen Bratwurst gegriffen werde.

Insgesamt, so sind die Beschicker überzeugt, kann man in Kassels Markthalle nicht nur konkurrenzfähig, sondern teils auch besonders preisgünstig einkaufen. Die kurzen Wege und die regionale Nähe seien nicht nur ein Nachhaltigkeits-Plus, sondern durch den Wegfall mancher Handelsspanne nicht selten auch ein Preisvorteil.

Freilich könne die Markthalle nicht mit Bio-Lockangeboten auf Discounter-Niveau mithalten, sagt Gemüsehändler Opfermann. Und ob man dann beim Gesamt-Einkaufsbon spare, sei auch mal dahingestellt. Wer seine Kosten für Lebensmittel senken wolle, könne auch überlegen, zu alternativen Produkten zu greifen, statt die Einkaufsstätte zu wechseln: „Muss es denn die Ananas aus Costa Rica sein? Wie wäre es mal mit dem Apfel aus der Region?“

Wer in der Markthalle einkauft, hat in der Regel noch andere Faktoren als den Preis im Blick. „Hier gibt’s gute Qualität“, sagt Rainer Hagemann aus Niederzwehren, der mit seiner Frau unterwegs ist und sich generell als Fan des Markttreibens beschreibt. Gute Ware wolle „aber auch bezahlt werden“, betont der Pensionär, der in seiner beruflich aktiven Zeit einen Handwerksbetrieb geführt hat: „Der Bäcker muss ja auch seinen Ofen heizen“ – alles sei teurer geworden.

Da finde er es in Ordnung, wenn sich das ein Stück weit in den Preisen widerspiegelt: „Wegen 10 Cent mehr oder weniger setze ich mich nicht ins Auto und fahre woanders hin.“ Nur eins könne er „nicht vertragen“: Wenn Preise heraufgesetzt werden und dann aber die Qualität des Angebots zu wünschen übrig lasse. Das jedoch sei in Kassels Markthalle kein Thema.

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Direktvermarkter: Auf der Außenfläche ist vieles besonders preiswert © D. Schachtschneider

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