Sportstätte wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört

Marode Betonmauer im Park Schönfeld: Überbleibsel des Schützenhauses

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Das alte Schützenhaus im Park Schönfeld: Das 1911 erbaute Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Dort fanden auch Wettbewerbe auf Bundesebene statt.

Kassel. Die Baumfällungen der vergangenen Tage im Park Schönfeld haben den Blick frei gelegt auf eine marode Betonmauer.

Sie ist ein Überbleibsel des 1911 erbauten Schützenhauses, das im Zweiten Weltkrieg durch eine Bombe zerstört wurde. Die Mauer war Teil der Schießanlage, die sich neben dem Schützenhaus erstreckte. 

Was heute nicht mehr zu erahnen, prägte über Jahrhunderte die Kasseler Geschichte. Denn der Kasseler Schützenverein war bereits 1547 gegründet worden. In den Anfangsjahren trafen sich die Schützen auf dem Finkenherd an der Fulda, um auf Scheiben zu schießen. Vor den Mauern der Altstadt übten die Kasseler Bürger den Umgang mit den Waffen. Ab 1615 gab es ein Schützenhaus in der Karlsaue und ab 1682 wurde ein neues Schützenhaus in der nach diesem benannten Schützenstraße (Wesertor) gebaut.

Schützen am Werk: Aus einem Stand heraus wurde auf die Scheiben geschossen.

Ab 1892 war der Standort an der Schützenstraße nicht mehr attraktiv. Denn der Polizeipräsident verbot dort das Schießen auf lange Entfernungen. Denn inzwischen waren die Bebauung und die Straßen immer näher an den Schießstand gerückt und es bestand die Gefahr, dass Menschen verletzt werden können.

So beschloss der Schützenverein, am westlichen Rand des Parks Schönfeld ein neues Domizil zu gründen. Die Stadt Kassel kaufte das Grundstück und überließ es dem Verein, der dort 1911 ein großzügiges Schützenhaus errichtete. Um den Neubau in romantischer Umgebung wurden die Kasseler von vielen Vereinen aus anderen Städten beneidet. Neben dem Gebäude gab es eine Schießanlage mit 40 Ständen. Viele Meisterschaften – auch auf Bundesebene – wurden dort ausgetragen.

In der Hand der SA: Auch die Hitlerjugend trainierte auf der Schießanlage. Im Hintergrund Teile der Betonmauer.

Mit der Machtergreifung von Adolf Hitler 1933 wurde die Vereinsstätte vor allem ein Hort der Nationalsozialisten. Das Schützenhaus wurde der Sturmabteilung der NSDAP (SA) unterstellt. So übte im Park Schönfeld auch die Hitler-Jugend das Schießen. Damals galt unter den Schützen die Losung „Üb’ Aug und Hand fürs Vaterland“.

Reste des Schießstandes: Auf etwa 200 Metern erstrecken sich zwei Stücke der alten Betonmauer im Park Schönfeld.

In der Nacht vom 27. zum 28. August 1943 wurde das Schützenhaus von einer Fliegerbombe getroffen. Es wurde völlig zerstört.

Nach Kriegsende wurde auch der Schützenverein aufgelöst.

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