Das Bundesverkehrsministerium arbeitet an der Neubewertung von Deutschlands Wasserstraßen

Marode Kasseler Stadtschleuse: Was wird aus der Fulle?

Kassel. Was wäre, wenn die Kasseler Stadtschleuse, die vermutlich nur noch bis zum Jahr 2016 halten wird, danach aus Geldmangel zugeschüttet würde? Wenn auch die Fulda nicht mehr unterhalten und ausgebaggert würde, um das Flussbett freizuhalten? Antworten auf diese Fragen lassen sich bislang nur erahnen.

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Bislang gebe es keinen vergleichbaren Fall eines nicht mehr bewirtschafteten Flussabschnitts, sagt eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums. Eine solche „Priorisierung“ wie jetzt geplant habe es vorher noch nicht gegeben. Gemeint ist das seit Monaten heiß diskutierte Modernisierungskonzept des Verkehrsministeriums in Berlin. Damit werde ein langfristiger Prozess in Angriff genommen, um das zur Verfügung stehende Geld zielgerichtet einzusetzen.

Bislang ist der Fulda-Abschnitt zwischen Hann. Münden und Kassel (bis zur Neuen Mühle) noch eine Bundeswasserstraße. Das könnte sich nach der Neubewertung, die derzeit im Ministerium in Arbeit ist, ändern. Denn für Bundeswasserstraßen, auf denen jährlich weniger als 100 000 Tonnen Fracht bewegt werden - das trifft für Kassel zu - will der Bund künftig für Ausbau, Unterhaltung und Betrieb nicht mehr zahlen.

Bislang war aus Berlin aber zu hören, dass man der Fulda einen touristischen Nutzen zubillige. Auf diese Weise könnte es möglich sein, den Fluss als Sport- und Freizeitstätte sowie Tourismusfaktor zu nutzen. Gleiches trifft auf Oberweser, Werra und Lahn zu. Aber: In welcher Form und welchem Umfang solch touristisch genutzte Wasserstraßen vom Bund unterstützt werden, ist derzeit noch offen. So ist auch denkbar, dass es aus Berlin überhaupt kein Geld für die touristisch genutzten Flüsse gibt.

Würde die Fulda zu einer „Restwasserstraße“ herabgestuft, wäre der Fluss in absehbarer Zeit nicht mehr schiffbar. Ein solches Schicksal soll zum Beispiel auch der Aller, der Wümme, dem Lampertheimer Altrhein, dem Havelkanal und der Saale drohen.

Wie im Allerlauf, wo vier Schleusen und Wehranlagen betrieben werden, die vor etwa 100 Jahren gebaut wurden, müsste auch die Kasseler Stadtschleuse saniert werden. Diese ist seit 99 Jahren in Betrieb und kann vermutlich noch bis 2016 Dienst tun. Eine Sanierung mit Verkleinerung würde rund sechs Millionen Euro kosten. Das ist Geld, das die Schifffahrtsverwaltung des Bundes nicht zur Verfügung stellen möchte. (hei)

Archivvideo: Kasseler Stadtschleuse: Reparierte Tore retten Saison auf der Fulda

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