Anklage wegen Verstoß gegen Kriegswaffenkontrollgesetz

Prozessauftakt: Mit Maschinenpistole zur Disco

Kassel. „Können Sie sich erinnern, dass der Polizeihund Sie verfolgt hat?“, fragte Staatsanwältin Sabrina Meier am Donnerstag im Kasseler Amtsgericht. Aber selbst an den Hund wollte der angeklagte 43-jährige Felsberger keine Erinnerung mehr haben.

Natürlich habe er später die drei Bisswunden entdeckt und versorgen lassen, berichtete er. Aber was am frühen Morgen war? Er habe so viel Alkohol getrunken.

Jener Morgen, der 25. Dezember 2011, hat nicht nur den Felsberger, sondern auch einen 38-jährigen Kasseler vor Gericht gebracht. Den 43-Jährigen, weil er einen Türsteher einer Diskothek in der Kasseler Innenstadt mit einer Maschinenpistole bedroht haben soll – den Kasseler, weil er bei der Aktion mit einer Schreckschusspistole im Hosenbund dabeigestanden haben soll.

Dem Felsberger wird deshalb der Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen – und unerlaubter Munitionsbesitz dazu. Im Falle des Kasselers geht es um einen Verstoß gegen das Waffengesetz. Einen sogenannten „kleinen Waffenschein“ für seine Pistole hatte er nicht.

„Wenn man an Weihnachten losfährt und einer hat eine Maschinenpistole dabei und der andere eine Schreckschusswaffe, frage ich mich: warum?“, hakte die Staatsanwältin nach. Doch die Hoffnung auf erhellende Antworten hatte sie erklärtermaßen schon aufgegeben. Beide Angeklagten hatten zuvor die knappestmögliche Version eines Geständnisses abgeliefert: Der Felsberger räumte ein, die Maschinenpistole zwar vor der Disco bei sich gehabt zu haben – aber nicht in der Disco. Und der Kasseler bestätigte, dass er die Schreckschusspistole trug und wusste, dass das verboten war. Viel mehr war im Prozess aber nicht zu hören.

Schon gar nichts über mögliche Gründe eines möglichen Streits mit dem Türsteher. Zwar ließ der Felsberger irgendwann noch wissen, dass er den Mann seit Jahren kenne und dass es „Schreierei“ gegeben habe. Der 43-Jährige berichtete auch, er habe die Maschinenpistole wahrscheinlich aus dem Auto geholt. Und dass er das Ding eigentlich als eine Art Pfand von „einem Russen“ bekommen habe.

Doch obwohl sich das Gericht offensichtlich auf ein zügiges Prozess-Ende eingestellt hatte, reichten so wenig Fakten zum Straftatbestand am Ende dann doch nicht für eine Urteilsfindung. Ein weiterer Verhandlungstermin wurde angesetzt. Am 6. August sollen nun doch noch Zeugen berichten, was sie von jenem Abend in der Disco in Erinnerung haben.

Von Katja Schmidt

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