Fragen und Antworten

Maske ist oft ein Stil-Stolperstein: Das sind die häufigsten Fehler im Job und beim Ausgehen

Benimm-Experte Michael Kugel (Deutscher Knigge-Rat) zeigt, wie man Masken im Gesellschafts- und Geschäftsleben richtig trägt und was Etikette-Fehler sind.
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Auch der Stofflappen ist jetzt Teil des Outfits: Michael Kugel, Co-Vorsitzender des Deutschen Knigge-Rats, wirbt für ruhige Uni-Farbtöne im Job.

Im Job und im Gesellschaftsleben hat das Stichwort „Corona-Etikette“ auch mit Stilfragen zu tun. Der Deutsche Knigge-Rat gibt Empfehlungen rund um die Maskenpflicht.

Kassel – Ohne Mundschutz geht es derzeit nicht. Hauptsache, Mund und Nase sind bedeckt – so lassen sich die gängigen Empfehlungen unter dem Stichwort „Corona-Etikette“ zusammenfassen. Doch für den Kasseler Benimm-Experten Michael Kugel geht das Thema deutlich weiter. Kugel ist Co-Vorsitzender vom Deutschen Knigge-Rat, der mit Coachings und Veröffentlichungen Empfehlungen für zeitgemäße Umgangsformen im Geschäfts- und Gesellschaftsleben gibt.

Auch in diesen Sphären, in denen sonst allgemein auf Etikette und Stil Wert gelegt wird, führt die Maskenpflicht zu allerlei Unsicherheiten und Nachlässigkeiten. Das ist dem Knigge-Rat Anlass, einige Tipps für ein entspannteres Miteinander zu geben.

„Viele haben nicht den Weitblick, dass uns das Thema Maske noch lange begleiten wird“, sagt Kugel. Sich nur schnell irgendetwas vor den Mund zu binden, „weil man es eben muss“, könne die Wirkung auf andere in unerwünschter Weise prägen. Dazu Fragen und Antworten:

Welche Masken sind für Geschäftstermine und im Kundenkontakt geeignet?

Das kommt – wie bei der Kleidung – auf die Branche und das Gesprächsziel an. Generelle Empfehlung des Knigge-Rats: möglichst unifarben, in neutralen Business-Tönen wie schwarz, weiß, dunkelblau. In einer Werbeagentur dürfe es auch bunter sein. Aber mit einer Tigerprint-Maske solle tunlichst niemand zum Angebotsgespräch auftauchen.

Wie sind Masken mit Motiv-Druck zu bewerten?

Aufgedruckte Comic-Münder, Sprüche, Tiergesichter und dergleichen „wirken auf mich persönlich lächerlich und lenken noch mehr vom Augenkontakt ab“, sagt Knigge-Experte Kugel. Das sei vom Stil-Standpunkt aus ähnlich problematisch wie Motiv-Socken und lustig bedruckte Krawatten. Je nach Umfeld und Anlass könne es als Statement aber in Ordnung gehen, wenn alle einheitlich bedruckte Masken tragen – etwa wie derzeit Politiker bei der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

Wie soll man mit der Maske umgehen, wenn sie zeitweise abgelegt wird?

Was für Kugel gar nicht geht: Wenn unsensible Zeitgenossen ihre – oft auch nicht mehr ganz frischen – Stofflappen gedankenlos auf den Konferenztisch oder neben das Gedeck in Lokalen legen. Laut Knigge-Rat gilt dabei dasselbe wie für gebrauchte Taschentücher: Keinesfalls auf den Tisch, immer im persönlichen Bereich verwahren.

Und wie verwahrt man die Maske am besten, wenn man sie gerade nicht trägt?

Am besten in der Handtasche, der Brusttasche des Hemdes oder in der Sakko-Innentasche. Wenn in der Hose, dann in der Vordertasche. Grundsatz: Die verstaute Maske sollte für andere nicht sichtbar sein. Die Angewohnheit, die Maske unters Kinn zu schieben oder am Handgelenk baumeln zu lassen, „ist für andere ein unschöner Hingucker“, sagt Kugel. Ideal sei es, für die Maske ein sauberes Etui dabei zu haben: „Da hat jeder daheim etwas in der Schublade liegen, das sich eignet.“

Was ist, wenn die Maske im Restaurant versehentlich auf den Boden fällt?

„Falls das mit einer Serviette passiert, würden wir diese nicht mehr verwenden“, sagt Kugel. In diesem Fall würde die Serviette vom Servicepersonal aufgehoben, das dürfe man bei einer gebrauchten Maske jedoch nicht erwarten. Wer sich also selber danach bückt, der könne, falls er kein Problem damit habe, die Maske auch weiter verwenden. Stilvoller sei es aber, wenn man für solche Fälle eine Ersatzmaske dabei hat.

Welche Rolle spielt der Umstand, dass die Maske große Teile des Gesichts ihres Trägers verbirgt?

„Der Blickkontakt wird viel wichtiger, als er ohnehin schon war“, sagt Knigge-Experte Kugel. Man müsse sich bewusst machen, dass Augen und auch sonstige Körpersignale jetzt stärker bestimmen, wie man von anderen Menschen wahrgenommen wird. Sein Tipp: Bewusst mit den Augenbrauen mimisch spielen, auch mal zwinkern – oder beispielsweise sagen: „Auch wenn Sie es mir gerade nicht ansehen: Ich freue mich...“

Braucht man da eigentlich die Hand vor den Mund zu halten, falls man unter der Maske gähnen muss?

Am besten sollte man sich so verhalten, wie man es ohne Maske täte, empfiehlt der Benimm-Experte und gibt zu bedenken: „Man kann das ja manchmal an der Ampel beobachten, wie sich Menschen verhalten, wenn sie sich in einem privaten, geschützen Raum glauben“ – da werde zuweilen im Nachbar-Auto gedankenverloren in der Nase gebohrt. Für die Zeit, wenn die Masken später einmal nicht mehr gebraucht werden, sieht Kugel ein gewisses Risiko, „dass wir uns dann eine Körpersprache angewöhnt haben werden, die viele als unhöflich empfinden“.

Wie sollte man reagieren, wenn man das Aufsetzen der Maske einmal vergessen hat und dafür scharf zurechtgewiesen wird?

In Pandemie-Zeiten sei das soziale Verhalten vieler Mitmenschen von Ängstlichkeit unterfüttert, wirbt Kugel um Verständnis: „Da muss man in Kauf nehmen, dass mancher eben etwas pedantischer ist und sich im Ton vergreift.“ Mit der freundlichen Reaktion „Vielen Dank für den Hinweis“ könne man solch eine Situation stilvoll entschärfen. (von Axel Schwarz)

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