Ergebnis ab 30 Personen stabil

Kasseler Student Andreas Wygrabek hat die HNA-Wahlwette untersucht

Der Wähler, das unbekannte Wesen: Ein Kasseler Soziologie-Student hat untersucht, wie zuverlässig die Prognosen von Wahlwetten sind. Foto: Picture Alliance

Kassel. Wie gut kann eine große Menge Menschen das Ergebnis einer Wahl vorhersagen? Das war die Frage bei der HNA-Wahlwette zur Kommunalwahl im März 2011.

Zum ersten Mal in Deutschland waren Menschen aufgerufen, das Ergebnis lokaler Wahlen vorherzusagen – also ohne dass parallel Prognosen von Wahlforschungsinstituten kursierten. Die Leser, die auf HNA.de ihre Einschätzung zum Ausgang der Wahl abgeben konnten, tippten ziemlich gut. Die Abweichung zum tatsächlichen Ergebnis lag bei der Stadtverordnetenwahl im Durchschnitt bei 2,2 Prozentpunkten, bei der OB-Wahl bei 1,7 Prozentpunkten. Bei Wahlforschern liegt die Abweichung zwischen Prognose und Ergebnis bei durchschnittlich zwei Prozentpunkten.

Andreas Wygrabek

Der Kasseler Soziologie-Student Andreas Wygrabek (28) hat sich in seiner Abschlussarbeit mit der Wahlwette und dem Phänomen kollektiver Intelligenz befasst und Verblüffendes herausgefunden. Zwar beteiligten sich mehr als 1500 Nutzer an der Online-Umfrage zur Kommunalwahl und etwa 900 an jener zur OB-Wahl. Allerdings hätten schon 30 Personen für ein ähnlich gutes Ergebnis gereicht. Das hat Wygrabek herausgefunden, indem er aus den Tipps verschieden große Stichproben zog.

Zentrale Frage der Arbeit war aber, wie zuverlässig die Ergebnisse von Wahlwetten sind. „Grundsätzlich ist es möglich, mit diesem Instrument gute Voraussagen zu treffen“, sagt Wygrabek. Allerdings schwanke die Validität - also die Zuverlässigkeit - stark. Vor allem überraschende Ergebnisse ließen sich über Wahlwetten schwer vorhersagen. Das zeige sich an der Kasseler Wahlwette: Die Grünen, die bei der Kommunalwahl extrem zugelegt hatten, wurden stark unterschätzt, nämlich um fast neun Prozentpunkte. Die FDP, die bei der Wahl einbrach, überschätzten die Tippenden.

Extreme Tipps rausrechnen

Bei seiner Analyse hat der Soziologe auch herausgefunden, wie man die Zuverlässigkeit der Prognose erhöhen kann: Zum einen helfe die Bereinigung der Stichprobe von extremen Tipps, wie etwa 80 Prozent für die FDP. Außerdem hat er festgestellt, dass die Schätzungen besser werden, je näher die Wahl rückt.

Das Ergebnis ist zudem umso genauer, je mehr sich die Tippgeber für Politik interessieren. Parallel zur Abstimmung sollten die Teilnehmer der Wahlwette selbst einstufen, wie politisch informiert sie sind. In diesem Punkt hat der Kasseler die oft bemühte Theorie zur „Weisheit der vielen“ des US-Autors James Surowiecki widerlegt. Der behauptete, je unterschiedlicher eine Gruppe ist, desto besser falle die Prognose aus. Bei der Wahlwette trifft das Gegenteil zu.

Interessant auch für Handel

Das Kasseler IT-Unternehmen eoda, das die Wahlwette statistisch ausgewertet hat und bei dem Wygrabek mitarbeitet, entwickelt auf der Grundlage dieser Erkenntnisse jetzt eine Software, mit der Vertriebszahlen prognostiziert werden können.

Hier lässt sich das Verfahren anwenden, indem man bestimmte Personengruppen die Nachfrage für ein Produkt schätzen lässt. Das kann für Handelsunternehmen interessant sein.

Von Katja Rudolph

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