Stadt zahlt für Unterbringung

Massenhaltung: Quälerei aus Liebe zum Tier

Massenhaltung: Auf dem Foto sind Meerschweinchen zu sehen, die im Jahr 2009 in Kassel  beschlagnahmt wurden. Archivfoto: Wau-Mau-Insel/nh

Kassel. Katastrophale hygienische Zustände, Massenhaltung und fehlende medizinische Versorgung: Bei der Stadt Kassel gehen jede Woche 20 Tierschutzmeldungen ein, sagt Dr. Heiko Purkl, Leiter der Abteilung Tierschutz und Tierseuchenbekämpfung.

Zwar bewahrheite sich nicht jeder Verdacht auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, die Zahl der weggenommenen Tiere steige aber. „Im Jahr 2011 mussten wir Haltern 100 Tiere wegnehmen. In diesem Jahr sind es schon 150 Tiere“, sagt Dr. Purkl.

Artgerechte Haltung

Tiere, die seine Mitarbeiter wegnehmen, werden an Tierheime weitergegeben, die eine artgerechte Haltung gewährleisten können. Die Kosten für die Unterbringung und Versorgung muss eigentlich der vorherige Besitzer tragen. Die Praxis sieht jedoch anders aus: „Die meisten Fortnahmen betreffen Personen mit geringem Einkommen. 99 Prozent der Halter können diese Kosten nicht tragen“, sagt Purkl.

In diesen Fällen übernimmt die Stadt Kassel die Kosten. Sie überweise an die Wau-Mau-Insel jährlich 250.000 Euro für die Versorgung von Tieren, sagt deren Leiter Karsten Plücker. Es handele sich dabei um einen Pauschalbetrag. Mit inbegriffen sei dabei auch die Versorgung von Fundtieren. „Vor 2009 haben wir nur 100.000 Euro erhalten, konnten dann aber belegen, dass dieser Betrag bei Weitem nicht ausreicht“, sagt Plücker.

Die Massenhaltung von Haustieren wird immer mehr zum Problem. Der englische Fachbegriff heißt „Animal hoarding“. „Halter nehmen immer mehr Tiere zu sich und glauben, denen damit etwas Gutes zu tun“, sagt Purkl. Doch sie könnten die Tiere so nicht artgerecht halten. Seine Abteilung hat im Januar 78 Hamster aus einer Kasseler Wohnung befreit. In kleinen Eimern wurden mehrere Tiere gehalten, die eigentlich Einzelgänger sind.

Wird ein Verstoß festgestellt, sind mehrere Folgen möglich: „Wir können anordnen, dass Mängel beseitigt werden und kontrollieren das“, sagt Purkl. In schlimmeren Fällen würden die Tiere fortgenommen. Zusätzlich könne ein Haltungsverbot ausgesprochen werden. „Das kann sich auf bestimmte Arten beschränken oder für alle Tierarten gelten.“ Aber nicht immer, wenn Tiere weggenommen werden, komme es auch zu einem Bußgeld- oder Strafverfahren - beispielsweise dann, wenn ein Halter im Krankheitsfall für sein Haustier nicht mehr sorgen kann.

Amt bittet um Hinweise

Die Abteilung Tierschutz und Tierseuchenbekämpfung ist bei ihrer Arbeit auf Hilfe angewiesen. „Wir können nicht hinter die verschlossenen Türen Kasseler Wohnungen blicken“, sagt Abteilungsleiter Dr. Purkl. Hinweise auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz seien Uringeruch oder anderer Gestank, der aus Wohnungen dringt sowie verdreckte Haustierkäfige. Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Betrieben gebe es bei Haustierhaltern keine regelmäßigen Kontrollen. Bei Auffälligkeiten kann die Tierschutzabteilung im Ordnungsamt der Stadt Kassel unter Tel. 0561/7873330 informiert werden. (flq)

Von Florian Quanz

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