200 Schüler lösten bei „Math and the City“ Rechenaufgaben mit Alltagsbezug

Mathe in der Innenstadt

Königsplatz statt Klassenraum: Pamir Omar (von links), Prof. Rita Borromeo Ferri, Helena Kleinöder und Kristin Heßler verglichen die Geschwindigkeiten von Fahrradfahrern und Tram. Foto: Schaffner

Kassel. Satz des Pythagoras am Himmelsstürmer anwenden, Schaufensterflächen im City-Point berechnen, Geschwindigkeit der Straßenbahn ermitteln - bei „Math and the City“ haben 200 Schüler in der Kasseler Innenstadt Rechenaufgaben gelöst. Da das Mathe-Projekt im Freien bei den Acht- bis Zwölftklässlern so gut ankam, möchte Prof. Rita Borromeo Ferri von der Uni Kassel jetzt jedes Jahr Schüler dazu einladen.

„Wenn man nicht nur im Klassenraum, sondern auch einmal in der Innenstadt Mathe-Aufgaben löst, schärft das den Blick der Schüler“, sagt die Professorin für Mathematik-Didaktik, die mit Studenten den Projekttag veranstaltet hat. 200 Schüler vom Wilhelmsgymnasium und der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule aus Kassel, Theodor-Heuss-Schule (Baunatal) und Dr.-Georg-August-Zinn-Schule (Gudensberg) bekamen in Kleingruppen insgesamt zwei Dutzend Aufgaben, die sie zu Gebäuden und Kunstwerken in der Kasseler City führten.

„Wir lernen so auf realistische Weise, wo wir Mathe auch im Alltag nutzen können“, sagt Helena Kleinöder von der Lichtenberg-Schule. Die 14-Jährige hat mit ihren Klassenkameraden aus der 8e beispielsweise berechnet, wann eine Straßenbahn einen Fahrradfahrer auf dem Weg vom Königsplatz zur Stadthalle überholt, wenn der Fahrradfahrer zehn Minuten eher losfährt. „Wir haben uns zwei Punkte auf der Oberen Königsstraße gesucht, die Entfernung gemessen und dann mit einer Stoppuhr die Geschwindigkeiten ermittelt“, sagt die Schülerin. Ihr Ergebnis: Beide treffen sich zehn Minuten nachdem die Straßenbahn losgefahren ist. „Im Klassenraum hätten wir diese Aufgabe so nicht lösen können“, sagt Helena Kleinöder.

Unterstützt wurden die Schüler von ihren Lehrern und Kasseler Lehramtsstudenten. „Für alle Beteiligten ist das eine Win-Win-Situation“, sagt Borromeo Ferri. Die Möglichkeit, Mathematikaufgaben im Alltagsumfeld zu lösen und eine Verbindung zwischen Schule und der universitären Lehrerausbildung herzustellen, ergebe sich nicht oft. „Da die Premiere geglückt ist, wollen wir das jährlich wiederholen“, sagt die Professorin.

Zum Konzept von „Math and the City“ gehört auch, dass die Aufgaben anschließend im Unterricht besprochen werden. Ob Helena Kleinöder und ihre Schulfreunde richtig gerechnet haben, werden sie in der nächsten Mathestunde erfahren - dann wieder im Klassenraum.

Von Sebastian Schaffner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.