Kein Einzelfall

Kein Einzelfall: Max Bahr händigt Kunden Material nicht aus

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Sie sind sauer: Reinhold Graßer aus Calden mit seiner Tochter Alida und seiner Frau Katya vor dem Max-Bahr-Baumarkt in Vellmar.

Kassel/Vellmar. Ein kostenloser Service des Max-Bahr-Baumarkts entpuppte sich für Reinhold Graßer als Reinfall. Der Familienvater aus Calden hatte im November für seinen Hausausbau bei der Vellmarer Filiale Ware im Wert von 3600 Euro gekauft und teilweise dort kostenlos einlagern lassen.

Nachdem die Insolvenz bekannt wurde, wollte er das noch nicht abgeholte Baumaterial im Restwert von knapp 2300 Euro verladen. Doch der Baumarkt verweigerte ihm die Herausgabe. Auch das Geld kriegt er nicht zurück. Er ist kein Einzelfall.

Grund dafür sei das laufende Insolvenzverfahren, habe ihm der Marktleiter erzählt. Deshalb würden Verbindlichkeit vorerst nicht bedient. „Der Marktleiter sagte mir, dass ich mich nur etwas gedulden müsse. In acht Wochen könne er mir mehr sagen. Es sehe gut aus, dass ein neuer Investor den Markt übernehme“, erzählt Graßer.

Unter anderem sind im Baumarkt noch eine Außentreppe und Laminat für den Caldener gelagert. „Ich habe die Ware auch schon gesehen, nur mitnehmen darf ich sie nicht.“ Das Einzige, was Graßer übrig blieb, war, sich in eine Liste einzutragen. Ob seine Anspruchsforderung vom Insolvenzverwalter erfüllt wird, ist offen.

Deshalb überlegt Graßer, seinen Anwalt einzuschalten. „2300 Euro will ich nicht einfach abschreiben.“

Graßer ist kein Einzelfall. Auf Nachfrage bei der Verbraucherzentrale in Kassel heißt es, dass mehrere Max-Bahr-Kunden sich gemeldet hätten. Die Verbraucherzentrale habe die Sache rechtlich noch nicht prüfen können.

Holger Brandl, Kasseler Anwalt für Insolvenzrecht, rät Betroffenen dazu, auf die Erfüllung des Kaufvertrages zu drängen. „Der Insolvenzverwalter wird in der jetzigen Lage einen Teufel tun, das Geld auszuzahlen“, sagt Brandl. Er werde vermutlich zunächst sehr genau prüfen, welche der von Max Bahr eingegangenen Verträge er weiter erfüllen kann. Diese Prüfung könne mehrere Wochen dauern.

Möglicherweise bleibt Graßer aber auch nichts anderes übrig, als seine Forderungen wie viele weitere Kleingläubiger geltend zu machen und zu hoffen, dass er irgendwann sein Geld zurückbekomme.

Die Pressestelle von Max Bahr hatten wir Montagvormittag nach einer Stellungnahme gefragt. Bis zum Abend kam keine Rückmeldung. Die drei Max-Bahr-Märkte in der Region (Vellmar, Bettenhausen, Baunatal) haben weiter geöffnet. Beim Umtausch von Ware gibt es aber kein Geld zurück.

Von Bastian Ludwig

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